Foto: Marta Rechul

Foto: Marta Rechul

Marta Rechul
  • Microbusiness:  www.tutorcompass.de
  • Leistungen: Plattform für Inspiration und Weiterbildung für Sprachlehrer
  • Startkapital Blog-Plattform: ca. 2.500 €
  • Gründungsjahr Tutor Compass: 2015

 

 

 

Liebst Du Sprachen und bist Du gut darin? Hast Du ein Talent dafür,  komplexe Sachverhalte anschaulich zu erklären und Dich schnell auf verschiedene Menschentypen einzustellen? Gibst Du gern Dein Wissen weiter und bist Du bereit, Dich fortwährend weiterzubilden? Dann wäre eine Tätigkeit als Sprachlerhrer bzw. Sprachlehrerin womöglich die perfekte Möglichkeit für Dich, ein ortsunabhängiges Business zu starten!

Noch besser: Auf der Seite Tutor Compass von Marta findest Du alle wichtigen Informationen, die Du brauchst, um als Sprachlehrer(-in) online oder offline durchzustarten. Auch ohne einschlägiges Studium. Wenn Du die Leidenschaft mitbringst, ist der Rest eine Frage der Erfahrung und der Bereitschaft für Selbststudium sowie kontinuierliche Weiterbildung. Ab sofort kannst Du auch auf das gesamte Sprachlehrer-Know-How von Marta zugreifen, das sie in Form eines eBooks* zur Verfügung stellt.

In diesem spannenden Interview erzählt Marta, wie sie nach einem beruflichen Tiefpunkt in Deutschland längere Zeit im Ausland verbrachte und dabei ihre Leidenschaft fürs Unterrichten entdeckte. Zudem gibt sie einen Einblick in die Phasen, die sie als Sprachlehrerin durchlebt habt und was sie auf dem Weg gelernt hat. Darüber hinaus geht sie darauf ein, wie Du Deine Leistungen als Sprachlerer(-in) erfolgreich vermarktest. Und sie definiert, was es heißt selbständig zu sein – absolut treffend und auf den Punkt gebracht.

Marta, was ist Dein Microbusiness? Worin genau besteht Deine Tätigkeit?

Auf Tutor Compass erzähle ich über meine Erfahrungen als Sprachlehrerin und hoffe damit andere dazu zu motivieren, Sprachlehrer zu werden. Gleichzeitig zeige ich Sprachlehrern, wie wunderbar sich dieser Beruf dazu eignet sein eigener Chef zu sein, von zu Hause zu arbeiten, aber auch online bzw. ortsunabhängig zu arbeiten und zu leben.

Vor der Gründung von Tutor Compass hast Du im Ausland und später in Deutschland als Sprachlehrerin gearbeitet. Wie kam es dazu?

Nachdem ich ins Ausland gezogen bin, stand ich vor der Frage was nun.

Zufälligerweise erfuhr ich davon, dass es eine große Nachfrage nach Deutschlehrern gibt. Und da dachte ich spontan, dass das etwas für mich sein könnte, schließlich bin ich Muttersprachlerin. Also startete ich durch – erst nebenbei und später als Selbstständige. Natürlich war es nicht so einfach, wie es jetzt klingt. Aber ich habe eine neue berufliche Leidenschaft für mich entdeckt. Und da ich nie geplant hatte, ewig im Ausland zu bleiben, kam irgendwann der Zeitpunkt, wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Wie ist die Idee für Tutor Compass entstanden?

Meine Schüler empfing ich anfangs zu Hause. Irgendwann wurden es zu viele, da meine Wohnung zu klein war. Aufgrund dessen suchte ich nach einem Büro, das ich mir mit anderen Sprachlehrern teilen wollte. Das hat glücklicherweise von Anfang an sehr gut funktioniert. Der größte Vorteil daran war, dass sich mein Netzwerk an Sprachlehrern um ein Vielfaches vergrößert hat.

Gleichzeitig erhielt ich Anfragen von Deutschen, die nach einem Mentor suchten, weil sie auch Deutsch unterrichten wollten. Und so entstand die Idee für Workshops für angehende Sprachlehrer, die ich live umgesetzt hatte.

Und nachdem ich wieder in Deutschland war, überlegte ich, wie ich das hier fortführen kann. Und so entstand die Idee für Tutor Compass, zum Start als Blog, um es dann Schritt für Schritt zur Weiterbildungsplattform auszubauen.

Wie viel Startkapital hast Du zu Beginn investiert, zunächst um Deine Tätigkeit als Sprachlehrerin zu starten, und später für die Gründung von Tutor Compass?

Ich habe tatsächlich mit Null angefangen. Das klappte überraschend gut. Zu Anfang schaltete ich einfach ein Inserat auf einem kostenlosen Portal, in dem ich mit Konversationsunterricht warb. Das wars. Nach nur ein paar Wochen meldeten sich die ersten Interessierten. Und dann kam eins zum anderen. Aber ich merkte schnell, dass einfach nur Konversationsunterricht zu geben absolut nicht ausreicht, also investierte ich in Lehrwerke, Bücher und Lehrerhandbücher, um zu lernen, wie man Deutsch unterrichtet. Natürlich musste ich mir ein kleines Büro einrichten, wo ich die Schüler unterrichten konnte. Ich brauchte die gesamte Ausstattung, von Laptop über Drucker und Schreibwaren, Tafel bis hin zum Tisch. Da kann man schon inkl. sehr einfachem Laptop von ca. 1000,00 EUR sprechen.

Das Coworking Büro für Sprachlehrer samt Ausstattung war dann eine sehr große Investition.

Und seit ich den Blog gestartet habe, habe ich mittlerweile so um die 2.500,00 EUR in meine Weiterbildung investiert. Das fing mit Büchern und einem Blogging-Kurs an, daraufhin folgten zahlreiche weitere Kurse, wie z.B. ein WordPress-Kurs. Dann kamen noch diverse Ausgaben für Online-Workshops und Webinare dazu, Coachings und Netzwerk-Communities.

Was bedeutet es für Dich selbständig zu sein?

Alles. Da ich mich sehr über meine Arbeit identifiziere, muss ich selbstständig sein. 🙂

Als ich es das letzte Mal ausprobiert hatte, als Angestellte zu arbeiten, kündigte ich nach zwei Wochen wieder.

Als Selbstständige treffe ich meine eigenen Entscheidungen und lebe nach meinem eigenen Rhythmus. Ich mache nicht Mittag, nur weil die Firma das vorschreibt, sondern esse, wenn ich Hunger habe. Natürlich heißt es auch, mit Selbstzweifeln zu kämpfen, Selbstvermarktung zu trainieren, sich generell ganz viel mit Marketing zu beschäftigen. Und natürlich selbst für Aufträge zu sorgen.

Es bedeutet, dass ich alles selbst in der Hand habe, aber auch dass ich für alles selbst verantwortlich bin. Selbstständig zu sein heißt für mich aber auch, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben, die ähnlich ticken, wie man selbst – anstatt mit den Klatschtanten am Kaffeeautomat abzuhängen.

Was waren die größten Hürden, die Du bislang in Deinem Business überwinden musstest?

Finanzielle Engpässe sind wohl die größte Hürde. Das Schöne am Beruf privater Sprachlehrer ist aber, dass man keine Kunden, sondern dankbare Schüler hat. Mit anderen Worten, der Beruf ist sehr entspannt.

Aber ab und an beenden Schüler ihre Kurse und es kommen keine Anfragen rein. Auf solche Engpässe muss man sich finanziell vorbereiten. Zur Zeit konzentriere ich mich beispielsweise ganz auf den Auf- und Ausbau von Tutor Compass und lebe von meinen Ersparnissen. Ich bin fast 24 h am Tag mit dem Projekt beschäftigt, deshalb gönne ich mir die Freiheit, mich ganz auf das Projekt zu konzentrieren. Sobald mein Buch*, das ich gerade schreibe, fertig ist, habe ich ein Produkt, mit dem sich dann die ersten Einnahmen generieren lassen – hoffentlich. 🙂

Welche Erfahrungen und Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

Da ich mit einem Blog gestartet bin und alles selbst gemacht habe, musste ich mir wirklich alles Erdenkliche selbst aneignen. Außer, dass ich mein Fachwissen erweitere, habe ich mir mithilfe eines Online-Kurses beigebracht, wie man einen Blog aufbaut.

Dazu lernte ich WordPress, Marketing, Selbstvermarktung und Selbstreflexion. Hinzu kamen viele weitere Kurse, wie: Wie gestalte ich ein Webinar, was ist Selfpublishing, wie vermarkte ich ein Buch.

Ich habe viel über Online-Business gelernt, über Fokus, Zeitmanagement und Netzwerken. Ganz viel Wissen, dass ich für mein Online-Business brauche, basiert auf Marketing, Selbstvermarktung und auch Suchmaschinenoptimierung. Und als Bloggerin erweitere ich ständig meine Fähigkeiten, indem ich lerne für den Leser zu schreiben.

Welche Internet-Tools und Hilfsmittel verwendest Du gern?

Wireless Life, Earthcity, um180Grad, Anti Uni, Affenblog, Schreibsuchti und Selbstaendig im Netz – das sind Blogs, die ich regelmäßig lese. Sie helfen mir in praktischer Hinsicht z.B. beim Schreiben, aber auch ein Unternehmer-Mindset zu entwickeln.

Ich arbeite mit dem Projektmanagement-Tool Trello, aber auch mit Dropbox, WeTransfer und Google Docs.

In meinem Smartphone habe ich diverse Apps zu diesen Programmen, aber auch z.B. Fastscanner. So kann ich jederzeit alle Quittungen und Belege abfotografieren und als Dokument auf Dropbox hinterlegen oder direkt an meine Steuerberaterin senden.

Wenn es um Baukästen-Webseiten geht, habe ich lange Zeit mit WIX gearbeitet, später auch Jimdo ausprobiert. Nun bin ich wieder bei WordPress gelandet und bin sehr glücklich damit.

Auf Deiner Seite Tutor Compass finden (angehende) Sprachlehrer viele praktische Tipps, wie sie ihren Unterricht gestalten und ein ortsunabhängiges Business aufbauen können. Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um erfolgreich als Sprachlehrer(-in) zu arbeiten?

Unter anderem sollte man sich ganz klar viel Fachwissen aneignen. Bevor ich als Sprachlehrer arbeiten kann, muss ich sehr viel über Grammatik wissen, aber auch wie ich eine Sprache vermittle und verständlich erkläre. Ebenso welche Niveaus, welchen Inhalt voraussetzen, Softskills und Didaktik.

Als Sprachlehrer tauschst du Zeit gegen Geld, du arbeitest also ähnlich wie andere Freelancer. Das heißt, es gehört noch ein vernünftiger Businessplan dazu. Ich kann nur den Tipp geben, sich vernünftig Gedanken über sein eigenes Preis-Angebot zu machen, um der dem Preis-Dumping nicht zu verfallen.

Angehende Sprachlehrer (-innen) finden demnächst eine konkrete Anleitung mit vielen praktischen und hilfreichen Tipps in meinem neuen Buch: Sprachlehrer werden leicht gemacht – Wie du in 10 einfachen Schritten erfolgreich als Sprachlehrer durchstartest*. Erscheint in wenigen Tagen auf Tutor Compass.

Wie behauptet man sich als Sprachlehrer(-in) gegen die Konkurrenz?

Da gibt es sicherlich viele Wege. Ich denke der größte Vorteil ist, sich ein Unternehmer-Mindset anzueignen. Das heißt, sich selbst nicht nur als Arbeiter zu sehen, sondern auch als Vertriebler, Marketer und Manager. Wie baue ich meine Firma auf und aus? Das sollte sich generell jeder Selbstständige fragen.

Du hebst dich ab, indem du lernst, dich selbstbewusst zu vermarkten.

Eine sehr bewährte Methode als Privatlehrer Schüler zu finden, ist, ein Inserat auf bekannten Portalen für Fremdsprachenunterricht zu schalten. Ein Inserat sollte immer für den Leser geschrieben sein. Ich sehe leider viel zu oft Lehrer, die ihre Inserate für sich selbst schreiben, aber nicht für die Zielgruppe. Beispiel: Ich unterrichte Französisch für Anfänger – meine Lerner sind Deutsche, die kein Französisch sprechen. Mein Inserat schreibe ich aber auf Französisch. Welchen Sinn macht das? Das Inserat verstehen nur diejenigen, die schon Französisch sprechen.

Wichtig beim Inserat ist natürlich auch das Foto, der richtige Titel, die Sprache, der Preis. Aber auch die Frage, wie kann ich meinen Schüler locken. Muss es ein niedriger Preis sein, um mich abzuheben? Oder kann ich stattdessen eine kostenlose Probestunde anbieten, oder vlt. Online-Unterricht.

Jeder Sprachlehrer, der für sich wirbt, sollte sich fragen: Welche Bedürfnisse hat meine Zielgruppe und wie kann ich dieses Bedürfnis bzw. Problem im Inserat ansprechen. Folglich auch welche Lösung kann ich anbieten.

Noch schöner wäre es, als Sprachlehrer eine eigene Webseite zu haben. Und da möchte ich auch erfahrene Sprachlehrer abholen und ihnen helfen, sich im Netz zu präsentieren.

Sind Dir zu Beginn Deiner Selbständigkeit auch Fehler unterlaufen und was hast Du daraus gelernt?

Ja, sicher. Ohne Fehler lernt man nichts. Anfangs erkannte ich, dass Spaß im Unterricht für gute Laune sorgt und motiviert. Aber ohne Führung verliert sich der Schüler schnell. Ich musste lernen zu leiten und Erwartungen zu setzen, so dass der Schüler gefordert wird.

Später merkte ich, dass ich meine Zeit ganz falsch organisiere. Ich verschenke viel zu viel Zeit, ohne produktiv zu sein.

Ein sehr großes Problem nach einiger Zeit wurde die Einsamkeit. Ich kümmerte mich nicht darum, mich mit anderen zu vernetzen. Und irgendwann saß ich da und mir fiel auf, dass ich niemanden hatte, mit dem ich mich über meine Arbeit austauschen konnte. Das habe ich ganz schnell geändert, indem ich auf andere Sprachlehrer zugegangen bin und mich mit ihnen verabredet habe. So entstand ein sehr schönes Netzwerk, das sich gegenseitig wahnsinnig gut unterstützt und untereinander austauscht.

Nach Deiner Rückkehr nach Deutschland ist es Dir gelungen, innerhalb kürzester Zeit so viele Kunden zu bekommen, dass Du von Deiner Tätigkeit als Sprachlehrerin leben konntest. Wie bist Du bei der Akquise vorgegangen?

Ja, richtig. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete ich noch eine Weile als Sprachlehrerin.

Mein Motto bei der Selbstvermarktung lautet: Such dir eine Quelle, die dir als Multiplikator dient.

Das heißt, ich mache z.B. keine Kaltaquise. Ich bewerbe mich nicht um Arbeit, zumindest größtenteils nicht. Ich zapfe Quellen an. Dazu gehören Portale für Sprachlehrer und Social Media Kanäle, aber auch immer eine eigene Webseite.

In Deutschland z.B. fing ich mit einem Profil auf XING an. Am nächsten Tag hatte ich direkt eine Anfrage von einer Sprachschule, die Firmenkurse anbot.

Zusätzlich gab ich mehrere Inserate auf verschiedenen Portalen auf. Und ich war sehr erstaunt, dass mich die Schüler dankbar anschrieben, dass sie endlich eine private Deutschlehrerin gefunden haben. Es scheint für Schüler also gar nicht so einfach zu sein, private Deutschlehrer in Deutschland zu finden.

Außerdem hatte ich noch Schüler aus Polen, die ich online unterrichtete.

Würdest Du Dich heute noch einmal für die Selbständigkeit entscheiden?

Immer wieder !

MB: Herzlichen Dank, Marta!

Hast Du noch Fragen an Marta? Dann her damit in die Kommentare.

*=das ist ein Affiliate-Link. Ich habe Martas eBook gelesen und kann es wärmstens empfehlen.