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Lerne aus den Erfahrungen erfolgreicher Microbusiness-Entrepreneure

Interview #12 Ein (angst-)freier Journalist und Textexperte

Foto: Mischa Miltenberger

Foto: Mischa Miltenberger

Mischa Miltenberger
  • Microbusiness: Freier Journalist, Texter, Autor, Korrektor; www.adios-angst.de und Vollkorrekt.de
  • Leistungen: Journalistische Leistungen, Bloggen, Korrektur
  • Startkapital: 1.000 Euro (inklusive neuem Rechner)
  • Gründungsjahr: 2015

 

„Die Selbstständigkeit ist ein entscheidender Bestandteil meiner Persönlichkeitsentwicklung“ – diese Worte von Mischa haben sich tief in mein Bewusstsein gebrannt. Sie klingen wie ein Credo der selbstbestimmten und freiheitsliebenden Entrepreneure, die ein vermeintlich sicheres Gehalt und einen imageträchtigen Job-Titel hinter sich lassen, um eigene Ideen zu verwirklichen und somit den persönlichen Ansprüchen an ein erfülltes Berufsleben gerecht zu werden.

Dabei geht es immer auch ein Stück um die persönliche Entwicklung. Es geht darum, dem inneren Ruf zu folgen.

Diese Aussage strahlt förmlich positive Energie aus und trotzt angtseinflößenden Sprüchen wie „Selbständig heißt selbt und ständig arbeiten“ – haha, „den Schritt in die Selbständigkeit wagen“ und „Selbständigkeit – ein interessanter, aber nicht risikofreier Weg“.

Diese positive Ausstrahlung, der unermüdliche Enthusiasmus für Neues und der offene Umgang mit Ängsten – all das spiegelt sich in den Texten auf Mischas Blog Adios Angst – Bonjour Leben wider. Obwohl er 2013 mit einer Angsterkrankung zu kämpfen hatte, schaffte es Mischa aus diesem Tief und entschied sich für ein angstfreies Leben in jeder Hinsicht. Er kündigte seinen Festangestelltenjob bei einer Tageszeitung und reiste mit einem VW-Bus durch Europa (wollten wir das nicht alle schon einmal tun?). Anschließend nahm er die nächste Herausforderung an – die Arbeit als freier Journalist, Texter, Autor und Korrektor. Somit befindet er sich auf seiner nächsten spannenden Reise. Und er geht SEINEN Weg.

1. Mischa, du bist freuer Journalist, Texter, Autor und Korrektor. Wann hast Du Dich selbständig gemacht und Dein Microbusiness gegründet?

Am 22.2.2015.

2. Wie ist die Idee für Dein Microbusiness entstanden?

Die lag aufgrund meiner Begabung und Leidenschaft fürs Schreiben und Korrigieren auf der Hand. Zudem habe ich in beiden Bereiche als Redakteur bei einer Tageszeitung 10 Jahre lang jede Menge Erfahrung gesammelt.

3. Du hast Ende 2013 Deinen Job als angestellter Redakteur gekündigt und bist 2014 mit einem VW-Bus durch Europa gereist. Inwiefern hat Deine Reise die Entscheidung für die Selbständigkeit beeinflusst?

Die gedankliche Basis dafür war schon mit meiner Kündigung geschaffen. Aber eher so als vager Gedanke, als eine Option von vielen. Ich wollte mich auf der Reise überraschen lassen, welche Ideen mir einfallen, wen ich treffe, wer mich inspiriert. Auf alle Fälle ist mir in der grenzenlosen Freiheit dieser Reise klar geworden, dass ich mich meiner Gesundheit zuliebe nicht mehr fünf Tage lang die Woche in einem Büro einsperren lassen will. Als mir dann im August Tim von Earthcity via Skype – ich saß gerade auf dem Campingplatz in Bordeaux – die Möglichkeit gegeben hat, für seinen Blog als Co-Autor zu arbeiten, war klar, wohin die Reise geht. Da ich bei meinem ersten Surfkurs in Portugal wenige Wochen später überraschenderweise nicht als Jahrhunderttalent erkannt wurde, waren die Option „Surflehrer“ bzw. „Surfprofi“ auch dahin und ich habe mich in mein Schicksal gefügt.

4. Du bist seit dem 22.2.15 selbständig, also seit rund zwei Monaten. Wie unterscheidet sich Dein Alltag als Selbständiger von Deiner täglichen Routine früher bei der Tageszeitung?

Ganz einfach dadurch, dass es so gut wie keine Routine mehr gibt. Ein sehr befreiendes Gefühl, wenn du nicht um 9 Uhr schon weißt, was du um 11, 13, 15 und 17 Uhr machen wirst. Ich muss mich in keinen Konferenzen mehr langweilen und arbeite dann, wann es für mich passt. Wenn ich Lust drauf habe, gehe ich mittags zwei Stunden zum Mountainbiken und korrigiere dafür auch mal nachts bis 23 Uhr Texte. Und während die Wochenend- und Feiertagsdienste bei der Tageszeitung ein notwendiges Übel waren, macht es mir jetzt gar nichts aus, mich auch am Wochenende um mein Microbusiness zu kümmern. Ich kann aber nicht nur arbeiten, wann ich will, sondern auch wo und wie ich will, was ich sehr genieße. Am Schreibtisch, auf dem Sofa, auf der Terrasse, auf dem Campingplatz oder wie jetzt gerade im Zug. Ich könnte auch den ganzen Tag nur in der Unterhose arbeiten, will das aber unseren Nachbarn aus ästhetischen Gründen nicht zumuten.

5. Wie sind Deine ersten Erfahrungen als freier Journalist, Autor, Texter und Korrektor?

Sehr gut. Gleich zu Beginn haben sich durch Empfehlungsmarketing einige wertvolle Kontakte und Aufträge ergeben. In den ersten beiden Monaten habe ich zumindest die in meinem Businessplan prognostizierten Zahlen übertroffen. Beim Thema Preisgestaltung habe ich schon wertvolle Erfahrungen gesammelt. Hier als Neuling den perfekten Mittelweg zu finden, ist nicht so einfach. Eines war mir aber von Beginn an klar: Ich grenze mich mit meinen Preisen bewusst von den Billigheimern ab, weil ich das mir und der Qualität meiner Arbeit schuldig bin. Und ich arbeite definitiv nicht als Freelancer für Tageszeitungen. Im Vergleich zu deren Honoraren sind Putzen und Kellnern richtig einträgliche Geschäfte.

6. Angehende Selbständige haben unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit, den Gründungszuschuss zu beantragen. Erzähl uns ein bisschen mehr über Deine Erfahrungen mit dem Gründungszuschuss.

Ich sage nur: Ein Hoch auf die Arbeitsagentur! Zumindest in meinem Fall. Ich weiß, dass es viele andere Erfahrungen gibt, aber mein Berater war vorbildlich. Er hat mir die Möglichkeit des Gründungszuschusses schon im ersten Gespräch aufgezeigt, hat mir genug Zeit zum Überlegen gelassen, hat mich sehr gut durch den ganzen Prozess begleitet und meinen Antrag zügig bearbeitet. Positiv hat sich für mich ausgewirkt, dass ich ganz offen mit den gesundheitsbedingten Gründen meiner Kündigung umgegangen bin. So war meinem Berater klar, dass es für mich keine Zukunft als angestellter Redakteur mehr gibt. Diese Nichtvermittelbarkeit in deinem alten Beruf ist die wichtigste Voraussetzung, um den Gründungszuschuss zu bekommen. Leider ist früher so viel Missbrauch damit betrieben worden, dass nur noch verhältnismäßig wenig angehende Selbstständige in den Genuss dieser sinnvollen Förderung kommen.

7. Wie hast Du Dir die betriebswirtschaftlichen Grundlagen zur Gründung Deines Microbusiness angeeignet? Hast Du Seminare, Beratungsangebote etc. in Anspruch genommen?

Ich könnte jetzt protzen und sagen: Hej, war doch gar kein Problem dank meines BWL-Studiums. Aber leider sind die Studieninhalte nicht gerade so angelegt, dass du danach fit für dein eigenes Business bist. Sondern eher dafür, als gut bezahlter Angestellter der Geschäftswelt zu dienen. Ich habe eine einstündige Gründungsberatung in Anspruch genommen. Um den Rest, wie zum Beispiel den Businessplan, habe ich mich selbst gekümmert. Alle anderen wichtigen Fragen ergeben sich nach und nach – ein dauernder Lernprozess.

8. Überlässt Du die steuerrechtlichen Angelegenheiten Deines Microbusiness einem Steuerberater oder erledigst Du den kaufmännischen Teil weitestgehend selbst? Würdest Du die Betreuung durch ein Steuerbüro/einen Steuerberater für Microbusinesses empfehlen?

Bisher habe ich alles selbst erledigt. Der Aufwand hält sich aber noch in Grenzen. Die Steuererklärung werde ich sicher mit Hilfe eines Steuerberaters machen. Das würde ich auch jedem empfehlen, denn das ist gut investiertes Geld. Es gibt zu viele Stolperfallen, die du nicht kennst oder nicht kennen kannst. Da ist es immer sinnvoll, einen Fachmann drüber schauen zu lassen.

 9. Auf Deinem Blog „Adios Angst“ erzählst Du offen über die Ängste und Sorgen, die Dich früher geplagt haben. Ist Existenzangst heute ein Thema für Dich als Selbständiger und wie gehst Du damit um?

Was lustig ist: Gerade wegen meiner früheren Angsterkrankung hatte ich keine Angst vor der Selbstständigkeit. Denn ich habe in der Therapie gelernt, die Ängste bis zum Ende durchzudenken und mir dabei noch zu überlegen, wie wahrscheinlich das Eintreten des schlimmsten Falls ist. Da diese Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, gibt es für mich auch keinen Grund, mir mehr Sorgen als irgend nötig zu machen. Natürlich schwelt das Thema im Hintergrund. Aber ich lasse mir nicht von der Existenzangst die nötige Energie rauben. Das Thema Selbstständigkeit ist leider viel zu viel von (teils irrationalen) Ängsten geprägt und zu wenig von rationalen Überlegungen. Im Buch „I love Mondays“ von Tim Chimoy und mir habe ich dem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet.

10. Welche Erfahrungen und Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

Die Kombination aus meinem abgeschlossenen BWL-Studium und meiner langjährigen Erfahrung als Redakteur war natürlich die ideale Voraussetzung für den Start. In technischer Sicht gibt es für mich noch einiges zu lernen. Zum Glück kenne ich tolle Menschen, die mir in dem Bereich helfen. Ich bin eh ein großer Fan davon, sich auf seine Stärken zu konzentrieren und gewisse Dinge abzugeben. Im persönlichen Bereich profitiere ich von zwei Dingen ganz besonders: a) meiner „Es wird schon alles kommen, wie es muss“-Einstellung, die sich immer wieder bewahrheitet und b) von meinem immer größer werdenden Netzwerk. Seit ich durch das Bloggen im Netz präsent bin, hat sich in dem Bereich Erstaunliches getan. Großartig klappt auch die Vernetzung durch mein Co-Working in der Gründervilla Kempten.

11. Welche (Internet-)Tools findest Du bei Deiner täglichen Arbeit hilfreich?

Mein schwarzes DIN-A-4-Notizbuch. Ich finde es furchtbar anstrengend, den ganzen Tag nur am Rechner zu sitzen. Also schreibe ich darin meine Ideen auf, strukturiere Artikel, lasse meinen Gedanken freien Lauf. Mit dieser Vorbereitung erledigt sich später die Arbeit am Rechner wesentlich schneller und effizienter. Zu den hilfreichsten Internet-Tools gibt es so viele gute Blogartikel, die muss ich nicht alle noch einmal aufzählen. Anregung und Hilfe bekomme ich durch verschiedene Facebook-Gruppen, wie z.B. Digitale Nomaden oder die DNX-Community.

12. Wer sind Deine Kunden und wie erfahren sie über Deine Services?

Meine Kunden sind hauptsächlich Unternehmen, Agenturen und Blogger. Ich habe aber auch für Studenten schon Abschlussarbeiten korrigiert. Die Kunden erfahren mehr von mir über das Dienstleistungsprojekt VollKorrekt, das ich mit zwei Blogger-Freunden im März gelauncht habe. Und über meinen Blog Adios Angst – Bonjour Leben. Eine eigene Website ist in Planung. Ich habe mich an das Credo von Tim Chimoy gehalten, dessen wichtigster Rat an Freelancer ist: Erst einmal Geld verdienen – um Website und Visitenkarten kannst du dich dann immer noch kümmern. Bisher läuft meine Akquise zum Großteil über Empfehlungen oder über Facebook-Gruppen, in denen Jobs ausgeschrieben werden.

13. Sind Dir zu Beginn Deiner Selbständigkeit auch Fehler unterlaufen? Welche waren das und was hast Du daraus gelernt?

Frag mich das bitte in einem Jahr wieder. Bisher waren zum Glück noch keine groben Schnitzer dabei, die mich meines Schlafes beraubt haben. Die steilste Lernkurve habe ich mit Sicherheit bei der Preisgestaltung: das richtige Gefühl für die Situation bekommen, selbstbewusst seinen Wert darstellen, sich nicht verzocken, aber auch nicht Aufträge um jeden Preis annehmen. Ich erledige lieber 5 gute Aufträge als 15 miserabel bezahlte.

14. Als Selbständiger erlebst Du in Deinem Business-Alltag sicherlich viele Höhen, aber auch Tiefen. Was gehört eher zu den negativen Seiten Deines Microbusinesses?

Ich mag das Wort „negativ“ nicht und nenne es lieber „Herausforderung“. Dazu gehört mit Sicherheit die Selbstdisziplin. Wenn ich als Angestellter 8 Stunden nur auf den Bildschirm starre, die Facebook-Timeline kilometerlang runterscrolle und nichts voranbringe, bekomme ich trotzdem Geld. Bin ich als Selbstständiger während meiner Zeit am Rechner nicht produktiv, kostet mich das Geld. Und dann gibt es da noch das schlechte Gewissen, weil immer irgendetwas zu tun ist. Einfach wie als Angestellter am Freitag alles in die Ecke pfeffern, „die Tassen hoch“ schreien und das ganze Wochenende ohne Reue durchfeiern geht nicht mehr. Ist aber auch gesünder.

15. Haben sich Deine Erwartungen bezüglich der Einnahmen aus Deinem Microbusiness in den ersten zwei Monaten erfüllt?

Ja.

16. Würdest Du Dich heute, zwei Monate später, noch einmal so entscheiden – Dich selbständig zu machen? Würdest Du dabei den gleichen Weg gehen oder würdest Du etwas anders anpacken?

Definitiv ja. Die Selbstständigkeit ist ein entscheidender Bestandteil meiner Persönlichkeitsentwicklung und eine unbezahlbare Erfahrung. Aufgrund der Dauerkrise bei den Tageszeitungen wird es in den nächsten Jahren noch ziemlich viele Redakteure auf den Markt spülen. Denen habe ich dann schon einiges voraus. Ob mein Weg der richtige ist, weiß ich jetzt noch nicht. Die Hauptsache ist, dass es MEIN Weg ist und nicht der eines Anderen. Bisher fühlt sich die Bodenbeschaffenheit sehr gut an.

17. Was ist Dein Tipp für Menschen, die ebenfalls ein Microbusiness aufbauen wollen?

Natürlich das Buch von Tim und mir kaufen! Aber Spaß beiseite: Sich nicht von seinen eigenen Ängsten und den Befürchtungen von Familie und Freunden abhalten lassen. Die meisten Menschen in Deutschland habe noch gar nicht begriffen, welche Chancen es heutzutage gibt, mit nahezu null Startkapital sein Ding zu machen. Und dann austauschen, austauschen, austauschen. Sich mit Gleichgesinnten treffen, sich von erfahrenen Gründern Hilfe holen, im Internet um Ratschläge bitten – einfach Menschen finden, die dir gute Tipps, aber auch mal den nötigen Tritt in den Hintern verpassen.

MBH: Herzlichen Dank, Mischa!:-)

Mischa: Gern geschehen 🙂

Hast Du noch mehr Fragen an Mischa? Dann hinterlasse einen Kommentar.

2 Comments

  1. @Mischa: “ Einfach wie als Angestellter am Freitag alles in die Ecke pfeffern, „die Tassen hoch“ schreien und das ganze Wochenende ohne Reue durchfeiern geht nicht mehr.“

    Tja – warst Du so ein Angestellter und meinst in erster Linie dich selber?
    Finde diese Aussage sehr pauschal, und ich ärgere mich, dass ich da
    mit über einen Kamm geschoren werde – neben mir wird es genug Angestellte geben, die gerne für ihre Firma arbeiten und sich auch engagieren… vielleicht wirst auch Du eines Tages jemanden anstellen (müssen).

    Ansonsten finde ich das Interview inspirierend, und ich wünsche Dir, dass Dein Weg weiterhin erfolgreich verläuft – d.h. dass Du Dein Auskommen mit dem Einkommen hast 😉 und auch zukünftig, wenn’s mal richtig viel wird, Deine Pausen machst!

  2. Hi Irmgard,

    danke für deinen Kommentar, aber ich verstehe ehrlich gesagt deine Aufregung nicht. Wie soll ich denn bitteschön eine pauschale Aussage treffen in einem Interview, in dem es rein um mich geht? Natürlich gab es in meinem Arbeitsleben so Phasen, in denen ich das so gehandhabt hatte und habe auch kein Problem damit. Und ja, ich kenne verdammt viele Angestellte, die das sogar regelmäßig so machen. Und ich behaupte mal ganz böse (und aus eigener Erfahrung), dass sie es deshalb machen, um sich den Frust des Arbeitstrotts wegzusaufen.

    Wenn du nicht zu diesen Angestellten gehörst, dich die Arbeit in deiner Firma ausfüllt, du gerne hingehst und auch nichts kompensieren musst, doch umso besser! Ich denke zwar, dass du damit eher einer Minderheit angehörst, aber ich kenne tatsächlich auch einige Menschen, die ihr Angestelltenjob wirklich ausfüllt 🙂

    Ich danke dir für dein Lob und die guten Wünsche!

    Viele Grüße

    Mischa

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