Foto: Mona Schütt

Foto: Mona Schütt

Mona Schütt
  • Microbusiness: Vintage Online-Shop www.oma-klara.de
  • Produkte: Liebevoll ausgewählte Kleidungsstücke aus Omas Schrank
  • Startkapital: weniger als 500 €
  • Gründungsjahr: 2014

Wenn Mode Deine Leidenschaft ist, hast Du verschiedene Optionen Deiner Passion zu folgen. Du kannst Design studieren, eine Schneiderlehre machen, einen Modeblog führen oder aber Du überlegst Dir, wie Du bereits vorhandene Teile zu einzigartigen Kleidungsstücken aufwerten kannst.

Mona Schütt hatte noch eine ganz andere Idee, wie sie ihre Begeisterung für Mode so einsetzen kann, dass sie daraus ein Geschäftskonzept entwickelt und einen Online-Shop auf die Beine stellt. Aber fangen wir von vorne an.

Schon in der Schule wurde Mona für ihren guten Kleidungsstil bewundert. Wie sie selbst auf sehr unterhaltsame Art und Weise in sieben kleinen Geschichten auf ihrem Blog erzählt, holte sich irgendwann sogar das coolste Mädchen der Schule Modetipps bei ihr. Monas Begeisterung für alte Sachen entwickelte sich erst über die Jahre, doch schon früh fiel ihrem Bruder auf, dass sie eine Vorliebe dafür hat.  So charakterisierte er ihren Kleidungsstil „spöttisch-liebevoll“ als „Oma Style“.  Auf einer Familienfeier fiel Mona dann auf, dass sich ihre Oma sehr modebewusst kleidet. Was hatte sie eigentlich mit den Kleidern aus ihrer Jugend gemacht?

So kam eins zum anderen, Mona setzte sich lange damit auseinander, was sie machen möchte, wenn sie „erwachsen“ ist. Die Beamtenanstellung auf Lebenszeit sollte es doch nicht sein – sie brauchte und suchte eine neue berufliche Aufgabe. Wie konnte Mona ihre Kreativität und ihre Liebe zur Mode und zum Schreiben miteinander verbinden? Die Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit – die Bemerkungen ihres Bruders, die Erfahrungen in der Schule und nicht zuletzt das enge Verhältnis zu ihrer Oma brachten sie auf die Idee für den Online-Shop Oma Klara. So beschloss sie mit 30 ihre Anstellung als Beamtin (auf Lebenszeit) aufzugeben und ihrer Leidenschaft zu folgen. Das Konzept:  Mona sucht nach besonderen Einzelstücken aus den Kleiderschränken modebewusster Omis und bietet sie online zum Verkauf an. Ein Modell, das alle Beteiligten glücklich macht. Die Kleidungsbesitzerinnen freuen sich, dass ihre Lieblingskleidung nicht in den Altkleidercontainer kommt, die Käufer finden besondere Originalstücke, für welche der Label „Vintage“ sozusagen erfunden wurde, und Mona kann ihre Talente sinnvoll einsetzen. Nicht zu vergessen der positive Effekt für die Umwelt.

Wie sich alles entwickelt hat und welche Erkenntnisse sie bereits gewonnen hat, erzählt uns Mona in diesem Interview.

Mona, was ist Dein Microbusiness?

Oma Klara ist ein Vintage Online Shop der Kleidungsstücke direkt aus den Kleiderschränken älterer Damen an die jüngere Generation verkauft.

Wie lange hast Du an dem initialen Aufbau Deines Online-Shops Oma-Klara.de gearbeitet und wann ging die Seite das erste Mal online?

Mit dem Aufbau von Oma Klara startete ich Anfang 2014 nebenberuflich.
Im September 2014 war dann der Launch des Online Shops und die ersten Produkte wurden verkauft. Seit September diesen Jahres betreibe ich Oma Klara nun in Vollzeit.

Foto: Oma Klara

Foto: Oma Klara

Wie hoch war Dein Startkapital?

Weniger als 500 Euro, da Oma Klara fast vollständig in Eigenregie aufgebaut werden konnte.

Wie hast Du Dir das technische Know-How rund um einen Online-Shop angeeignet?

Bei dem eigentlichen Aufbau des Online Shops wurde ich durch meinen Mann unterstützt, der selbst ein Unternehmen gegründet hat.

Bevor Du Oma Klara gegründet hast, warst Du einige Jahre Beamtin im Bereich Datenschutz des Landeskriminalamts. Was hat Deine Entscheidung maßgeblich beeinflusst, Deine sichere Beamtenanstellung auf Lebenszeit aufzugeben und Unternehmerin zu werden?

Mein damaliger Beruf hatte mich nicht mehr erfüllt und ich wollte etwas Eigenes auf die Beine stellen, das voll und ganz mit mir und meinen Fähigkeiten verbunden ist.

Wie bist Du auf die Idee für Oma Klara gekommen?

Ich habe mich schon immer für Mode begeistert und habe gerne durch Flohmärkte und Secondhand-Läden gewühlt. Auf einer Familienfeier habe ich dann festgestellt, dass meine Oma total mit der Mode geht. Ich habe mich gefragt, ob sie ihre Kleidungsstücke von früher eigentlich noch trägt. Aus diesem Gedanken und dem Wunsch mich beruflich neu zu orientieren ist die Idee zu Oma Klara entstanden.

Welche Erfahrungen oder Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

Ich denke das Wichtigste ist, dass das was du tust mit Liebe und Hingabe tust. Dann empfindest du die vielen Stunden, die du spät an den Abenden und an den Wochenenden investierst, oftmals nicht als Arbeit, sondern als wertvolle Zeit die du in das Vorankommen deiner Idee stecken kannst. Nur so bist du authentisch und die Leute nehmen dir ab was du tust.
Natürlich ist Online Marketing und eine gute PR-Arbeit ebenfalls wichtig.
Für mich war es auch eine große Erleichterung, dass ich beim Finanzteil meines Businessplans Unterstützung hatte.

Welche Internet-Tools und Hilfsmittel hast Du verwendet?

Für den Aufbau des Online-Shops habe ich WordPress in Kombination mit WooCommerce verwendet. Ich arbeite u.a. mit den Programmen AdWords-Keyword-Planner, Sistrix sowie Google-Analytics.
Im Social-Media-Bereich konzentriert sich Oma Klara auf Facebook und Instagram.

Wie hat sich Dein Leben seit der Gründung von Oma Klara verändert?

Ich habe definitiv weniger Freizeit und arbeite im Moment viel. Das ist aber normal, insbesondere am Anfang und ich würde es gar nicht anders wollen.
Dafür genieße ich wiederrum die Freiheiten, die man hat, wenn man selbstständig ist. Treffe mich z.B. mit Freundinnen, die gerade in Elternzeit sind zum Frühstück, mache tagsüber den Wocheneinkauf etc.
Es ist spannend, oftmals herausfordernd und man wächst über sich hinaus.

Kannst Du heute von Deinem Microbusiness leben? Wie hat es sich entwickelt?

Ich habe Oma Klara bis Ende des Sommers nebenberuflich betrieben und bin nun happy seit ein paar Wochen in Vollzeit daran zu arbeiten. Im Kleinen funktioniert das Ganze auch schon recht gut, d.h. ich habe mein Büro + Lager in meiner Privatwohnung. Da es aber mein Ziel ist, noch mehr tolle Vintage-Kleidung vor dem Altkleidersack zu retten und ich Seniorinnen deutschlandweit die Möglichkeit geben möchte ihre Kleidung kostenlos an Oma Klara zu schicken, muss früher oder später ein größeres Lager her und ich werde personelle Unterstützung benötigen.

Welche Erkenntnisse hast Du nach einem Jahr Oma Klara gewonnen?

Dass das Gründen manchmal wie eine Berg und Talfahrt ist und es wichtig ist ein Ziel vor Augen zu haben und sich zu fokussieren.

Würdest Du diesen Weg noch einmal gehen?

Auf jeden Fall.

Was würdest Du anderen empfehlen, die ebenfalls ein Microbusiness aufbauen wollen?

Den ersten Schritt zu machen. Denn der ist häufig der Schwierigste.

 

Herzlichen Dank, Mona!

Hast Du noch weitere Fragen an Mona? Dann hinterlasse einen Kommentar.