Foto: Jenny Meyer

Dr. Jenny Meyer
  • Microbusiness:  www.fit4consulting.de
  • Leistungen: Consulting-Expertise, Beratung und Mentoring für (angehende) Unternehmensberater
  • Startkapital: ca. 6.000 €
  • Gründungsjahr: 2015

 

Jenny hat schon einmal ihr Leben komplett umgekrempelt. 2012 kündigte sie ihren Job als Senior Consultant in der IT-Branche und ging nach Thailand, um dort für eine Weile zu leben und zu arbeiten. Als sie später nach Deutschland zurückkam und wieder eine Festanstellung annahm, stellte sie relativ schnell fest, dass der konventionelle Arbeitsalltag nicht mehr ihren Vorstellungen von einem erfüllten Berufsleben entsprach. Als ein Bekannter Jenny Ende 2014 auf die Themen „ortsunabhängiges Arbeiten“ und „digitales Nomadentum“ aufmerksam machte, beschäftigte sie sich eingehend mit dem Konzept der ortsunabhängigen Selbständigkeit und stellte fest, dass ein Online-Business möglicherweise genau der richtige Weg für sie darstellt. Daraufhin machte Jenny Nägel mit Köpfen.

Schon ein halbes Jahr später – im Juli 2015 – startete sie als freiberufliche Digital Transformation & Collaboration Beraterin und Mentorin für Beratungseinsteiger durch. Über die Seite www.fit4consulting.de bietet Jenny Beratung und Mentoring für Consultants in Form von verschiedenen Paketen an. Darüber hinaus hat sie einen Online-Kurs auf Udemy erstellt, über den sie in diesem Podcast ausführlich berichtet. Jenny hat in den ersten Monaten ihrer Selbständigkeit vielfältige Erfahrungen gesammelt  und wichtige Erkenntnisse über die ortsunabhängige Selbständigkeit gewonnen.

In diesem Interview erzählt sie, wie ihr Weg in die Selbständigkeit aussah,  welche Hürden sie am Anfang ihres Business überwinden musste und was sie heute anders machen würde.

Jenny, was ist Dein Microbusiness? Worin genau besteht Deine Tätigkeit?

Mein Business heißt fit4consulting und ist ein Online Mentoring Programm für Beratungseinsteiger. Das heißt einerseits Berufseinsteiger in der Unternehmensberatung und andererseits Personen, die innerhalb ihres Unternehmens von einer Fachposition auf eine Consulting-Position wechseln. Dabei geht es nicht um den fachlichen Inhalt, sondern um ganz praxisnahe und relevante Business-Skills und Fähigkeiten, also eher das “wie berät man”. Inhalte sind zum Beispiel die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Meetings, wie kann man den Kunden und seine Herausforderungen kennen und verstehen lernen oder auch wie kann man diesem Sachverhalte und Konzepte vermitteln und verständlich machen. Meine Zielgruppe sind dabei sowohl die Individuen selbst, Beratungshäuser als auch Unternehmen, die innerhalb ihres Unternehmens Mitarbeiter zu Beratern befähigen wollen. Ich überlege allerdings zukünftig meine Zielgruppe auch noch um Personen, die sich als Consultant (ohne Beratungserfahrung) selbstständig machen wollen, zu erweitern.

Vor der Gründung von fit4consulting warst Du mehrere Jahre als Business Analystin und Senior Beraterin für große deutsche Unternehmen tätig. Warum hast Du Dich letztendlich entschieden, Dich selbständig zu machen?

Die Gründe dafür sind vielfältig, aber die wichtigsten waren wohl die Freiheit, selbst über meine Arbeitszeit (und damit auch über meine Lebenszeit) entscheiden zu können, für etwas zu arbeiten, das mich begeistert und mein eigenes Projekt ist und die Müdigkeit angesichts der Politik und starren Prozesse in Großunternehmen. Darüber hinaus arbeite ich jetzt online und damit ortsunabhängig, was mir ermöglicht dort zu leben und zu arbeiten wo ich möchte.

Wie viel Startkapital hast Du investiert, um Dein Business aufzusetzen?

Also ich würde sagen einschließlich allem, d.h. Besuch von Seminaren und Konferenzen, der (technischen) Ausstattung, organisatorisch-administrativen Ausgaben, dem Aufsetzen der Webseite und ersten Werbe- und Marketingmaßnahmen habe ich im letzten Jahr so um die 6.000 € investiert.

Wie hast Du die Geschäftsidee für fit4consulting ausgearbeitet?

Ich habe am Smart Business Concepts Intensivseminar von Ehrenfried und Brigitte Conta-Gromberg teilgenommen. Hierbei ist auch die Idee und der Großteil des Konzepts entstanden.

Du bist seit einiger Zeit in Südostasien unterwegs – bis vor einer Woche in Thailand und jetzt auf Bali. Hast Du im Rahmen Deiner Businessplanung beschlossen, nach Südostasien zu reisen und welche Bedeutung hat das für Dein Business?

Nein, für mich stand vorher fest, dass ich den Winter über in Südostasien leben und arbeiten möchte und deswegen habe ich mein Business als Online-Business konzipiert. Bedeutet hat dies, dass ich zuerst all die administrativen und organisatorischen Dinge erledigen musste und mich eigentlich erst als letzten Schritt an die Inhalte setzen konnte. Darüber hinaus ist es natürlich eine Herausforderung auf einer thailändischen Insel zu leben und in einem Coworking Space Videokurse zu produzieren. Gerade wenn man mal schnell was benötigt (wie z.B. eine neue externe Festplatte oder eine neue Webcam), kann man leider nicht mal eben zum nächsten Elektronikfachmarkt gehen, sondern muss alles bestellen, was eben wieder Zeit dauert und man somit für alles was man sich vorgenommen hat, deutlich länger braucht als gedacht. Und man muss lernen, mit dem zu arbeiten, was man vor Ort an Möglichkeiten zur Verfügung hat und das Beste draus zu machen.

Du bist seit Sommer 2015 selbständig. Welche Lektionen hast Du in den ersten Monaten Deiner ortsunabhängigen Selbständigkeit gelernt?

Das alles viel länger dauert als man denkt, dass Marketing fast wichtiger ist wie das Produkt oder die Dienstleistung selbst, dass die Welt nicht gerade auf mich und meine Idee gewartet hat und dass man eine sehr gute Selbstkontrolle haben muss, um sich nicht völlig auszubrennen, sondern sich auch seine freien Tage zu nehmen, an denen man seine Batterien wieder auflädt. Reisen selbst ist ein Produktivitätskiller und Arbeit bleibt Arbeit, egal wo man sich gerade aufhält.

Was waren die größten Hürden, die Du bislang in Deinem Business überwinden musstest?

Die größte Hürde zu Beginn war für mich vor allem die zeitliche Investition in mein Business. Also das Gefühl, wochen- und monatelang für umsonst zu arbeiten, erstmal einfach nur ganz viel Zeit zu investieren in der Hoffnung, dass sich das irgendwann auszahlt und die “Bezahlung” eben später kommt. Gerade nach dem Wechsel aus dem Angestelltendasein war das schon eine große, persönliche Hürde dich ich überwinden bzw. akzeptieren musste.

Welche Erfahrungen und Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

Da es sich bei meinem Microbusiness um ein Online Business handelt, war es sicher von Vorteil, dass ich sehr IT-affin bin und mich von meiner Promotion über meine Beraterzeit bis hin zu zu meiner Tätigkeit in einem großen Konzern immer mit dem Einsatz von IT und dem Thema Digitalisierung beschäftigt habe. Somit hatte ich da schon einiges an Grundverständnis und Wissen im Online-Bereich.
Von meiner Ausbildung her bin ich Wirtschaftswissenschaftlerin. Dies ist sicher auch nicht die schlechteste Voraussetzung, da dadurch bei mir bereits viel Grundwissen im Bereich Markt und Unternehmertum vorhanden war.
Außerdem die Fähigkeit sich selbst zu motivieren und zu disziplinieren, Durchhaltevermögen, Organisationstalent, Zeitmanagement, Kritikfähigkeit und den Mut, (auch dumme) Fragen zu stellen. Aber das gilt sicher für alle Arten von Selbstständigkeit und nicht nur für den Aufbau von Microbusinesses.
Die wichtigsten Kenntnisse und Fähigkeiten für mein Business aber sind natürlich die, die ich während meiner Beratertätigkeit erworben habe, sowie die Einsichten, die ich während meiner Zeit im Konzern als Kunde von Unternehmensberatern gewonnen habe. Diese bilden schließlich den Inhalt meines Mentoring Programms.

Welche Internet-Tools und Hilfsmittel verwendest Du gern?

Meine Webseite basiert auf WordPress, für meinen Newsletter nutze ich Mailchimp, zum Task-Management nutze ich ToDoIst, für das Notieren von Inhalten und Informationen nutze ich Evernote, für die Umsetzung der Pomodoro Technik (das ist eine Produktivitätstechnik) nutze ich Pomodoro One, für das Festhalten von Ideen MindNode Pro.
Zum Kommunizieren nutze ich Skype und Whatsapp-Telefonie. Für den Austausch mit anderen (ortsunabhängigen) Entrepreneuren nutze ich diverse Plattformen wie Wirelesslife, unterschiedliche Slack Channels oder “Let’s see what works”.
Für das Design von fit4consulting habe ich 99designs genutzt und hin und wieder nutze ich fiverr für kleinere Tätigkeiten, bei denen ich Hilfe benötige.
Und Udemy ist der Marktplatz, auf dem ich meine Videokurse verkaufe.

Zu Deiner Zielgruppe gehören sowohl Privat- als auch Geschäftskunden. Was bedeutet das für Dein Marketing?

Ja, das ist in der Tat eine besondere Herausforderung, die aber noch vor mir liegt. Momentan fokussiere ich beim Marketing nur auf die Privatkunden. Bevor ich mich auf die Geschäftskunden stürze, brauche ich noch etwas mehr Inhalt und drei, vier fertiggestellte Kurse oder Produkte, sonst wird es schwierig diese zu überzeugen. Vermutlich werde ich hier dann aber auch mehr Direkt-Marketing machen müssen, also z.B. HR-Verantwortliche direkt anrufen und mein Programm vorstellen.

Sind Dir zu Beginn Deiner Selbständigkeit Fehler unterlaufen und was hast Du daraus gelernt?

Die unterlaufen mir sicher immer noch. Jeden Tag lernt man dazu. Für mich als jemand der sehr gerne alles plant, ist ein wichtiges Learning, dass man vieles einfach nicht planen und sich vorab theoretisch zurecht denken kann. Also die Erkenntnis, weniger zu planen und mehr Dinge einfach mal auszuprobieren.
Ich habe anfangs zu viel Zeit, Geld und Energie in Dinge gesteckt, die auch an zweiter Stelle erst hätten getan werden können, anstatt mich direkt in die Erstellung des Inhalts zu stürzen, um schneller was an der Hand zu haben, was man verkaufen kann. Das würde ich heute anders machen.

Haben sich Deine Erwartungen bezüglich der Einnahmen aus Deinem Microbusiness in den ersten Monaten erfüllt?

Nein.

Würdest Du Dich heute noch einmal für die Selbständigkeit entscheiden?

Ja, aber ich würde mir das nächste Mal vermutlich zuerst ein Business aufbauen, welches mir ein passives Grundeinkommen einbringt, bevor ich mich einem “Herzensprojekt”-Business widme.

Vielen Dank für das Interview, Jenny! 🙂

Hast Du noch weitere Fragen an Jenny? Dann hinterlasse einen Kommentar.