Richard-2012_500pxRichard Raue
  • Microbusiness: Habanero Apps
  • Leistungen: App-Entwicklung (Android und iOS)
  • Startkapital: ca. 3.000 €
  • Gründungsjahr: 2013

 

Du willst eine inspirierende Geschichte darüber lesen, wie man erfolgreich wird, wenn man das eigene Hobby zum Beruf macht? Dann schau Dir folgendes Interview mit Richard an. Richards Microbusiness ist ein ideales Besipiel dafür, dass die eigenen Interessen und Fähigkeiten die beste Grundlage für ein Kleinstunternehmen darstellen. Durch die Konzentration auf Kernkompetenzen kann Richard nicht nur eigene Projekte umsetzen, sondern auch frei über seine Zeit verfügen. Da er als Grundausstattung für seinen Business nur einen Laptop mit Internet-Verbindung sowie einen Smartphone braucht und die Habanero Apps online anbietet, ist er außerdem bei seiner Geschäftstätigkeit vollkommen ortsunabhängig. Darüber hinaus hat er noch viele praktische Tipps parat, wie man sich als App-Entwickler gut positioniert und den unternehmerischen Alltag meistert.

Richard, was ist Dein Microbusiness? Worin genau besteht Deine Tätigkeit?

Ich entwickle Apps für Android und iOS. Spezialisiert habe ich mich auf Spiele-Apps und hier besonders auf Wissens- und Quizspiele.

Meine Apps sind entweder kostenlos und werbefinanziert (Banner-Werbung in der App) oder kostenpflichtig bzw. bieten in-App-Käufe. Meine erfolgreichste App „Quizoid“ wurde im Februar im Google Play Store zum 1 Millionsten Mal heruntergeladen.

Dabei setze ich eigene Ideen um, führe also keine Auftragsarbeit aus. Von der Idee über das Konzept bis zu Design, Umsetzung und letztendlich Marketing mache ich alles selbst (mit kreativer Unterstützung meiner Frau).

Wann hast Du Dich selbständig gemacht und Dein Microbusiness gegründet?

Angefangen habe ich 2011, zunächst als Hobby neben meinem Beruf. Als ich merkte, dass man damit auch Geld verdienen kann, reifte der Gedanke, es hauptberuflich zu tun. Seit Anfang 2013 bin ich nun offiziell selbständig.

Wie viel Startkapital hast Du investiert?

Angefangen habe ich mit der Entwicklung für Android. Da benötigt man außer einem Smartphone und einem PC nichts weiter und beides hatte ich bereits. Für iOS musste ich dann Macbook, iPhone und iPad anschaffen. Alles in allem sind das knapp 3.000 Euro an Hardware-Kosten.

Bevor Du Dich selbständig gemacht hast, warst Du bei einem führenden deutschen IT-Dienstleistungsunternehmen beschäftigt. Was hat dazu geführt, dass Du Deine Festanstellung aufgegeben hast und ein Kleinstunternehmer geworden bist?

Mein Großvater war mit Leib und Seele Architekt. Ich habe es immer bewundert, dass er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Als meine Einnahmen durch App-Werbung erstmals mein Gehalt überstiegen, hat es bei mir klick gemacht. Hier war etwas für das ICH wirklich brannte UND ich hatte gute Chancen, davon zu leben. Ab da musste ich es einfach tun.

Wie kamst Du auf die Idee für Dein Microbusiness?

Eines Abends 2011 saßen meine Frau und ich auf dem Sofa und ich hatte mein Firmenhandy dabei, ein Samsung Galaxy S. Ich hatte eine Quiz-App heruntergeladen und sie spielte andauernd diese App und wollte das Handy nicht mehr weglegen. Da dachte ich: so eine App kann ich auch machen. Also tat ich es. Es war nicht von Anfang an der Gedanke, ein Business zu machen, sondern einfach eine bessere App zu machen.

Android- und iOS-Apps sind heutzutage sehr beliebt. Ist die Konkurrenz auf dem Gebiet der App-Entwicklung groß und wie schafft man es sich hervorzuheben?

Ja, eines der größten Risiken ist, in der Masse unterzugehen. Angeblich erreichen nur 5% aller Apps mehr als 500 tägliche Downloads. Ich denke, ich hatte zum Teil Glück, schon 2011 angefangen zu haben, als der Markt noch nicht so groß war. Ich weiß nicht, ob ich heute noch einmal mit einer App so schnell erfolgreich sein könnte.

Meine Strategie ist nicht unbedingt, mich hervorzuheben. Ich schwimme eher so mit. Es gibt viele Apps, aber eben auch viele Nutzer. Und wenn ein paar davon meine Apps spielen, reicht das schon.

Was schätzen Kunden besonders an Dir und Deinen Leistungen?

Als Kunden kann ich hier eigentlich nur die Endnutzer sehen, also Leute, die meine Apps spielen. Dem Feedback nach zu urteilen sind das die Qualität der Quizfragen sowie das schlichte Design. Außerdem verzichte ich auf nervige Werbung in der App und lege Wert darauf, dass alle Apps auch offline spielbar sind. Das kommt an.

Welche Erfahrungen und Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

Der Leichtsinn, es einfach mal zu versuchen war ganz wichtig. Und natürlich muss man programmieren können, zumindest ein bisschen, so wie ich:-) Meine Frau war eine große Hilfe, besonders bei der Erstellung der Quizfragen. Aber auch mein eigenes Allgemeinwissen war hilfreich dabei, interessante Fragen auszudenken.

Welche (Internet-)Tools findest Du bei Deiner täglichen Arbeit hilfreich?

Für Android entwickle ich mit Eclipse und dem ADT Plugin. Hier haben mir meine Arbeitsjahre als angestellter Entwickler geholfen, da ich das Tool und seine Eigenheiten schon kannte. Für iOS nutze ich das Apple-eigene Xcode als Entwicklungsumgebung.

Für Grafiken und Icons nutze ich Paint.NET und Photoshop oder auch webbasierte Lösungen, die einem z.B. ein App-Icon in allen benötigten Größen generieren.

Stackoverflow, eine Art Entwickler-Community, ist eine große Hilfe bei den kleinen und großen Problemen von Android und iOS. Und es gibt einen sehr guten iOS-Blog, www.raywenderlich.com, mit vielen idiotensicheren Tutorials.

Last but not least nutze ich DATEV, um meine Belege elektronisch an meinen Steuerberater zu senden. Das ist eine große Erleichterung, da ich monatlich meine Umsatzsteuer erklären muss.

Sind Dir zu Beginn Deiner Selbständigkeit auch Fehler unterlaufen? Was hast Du daraus gelernt?

  1. Wenn du willst, dass etwas so wird wie du es willst, mach es selbst!
  2. Marketing ist teuer und meist wertlos. Facebook, Artikel in Print-Magazinen, Banner-Werbung, ich hatte sie alle und habe es bereut. Verheiztes Geld. ASO, also „App Store Optimization“ ist das effektivste Marketing-Instrument. Kenne deine Keywords und nutze sie effektiv in App-Titel und –Beschreibung, dann klappt‘s auch mit den Downloads!

Wie hat sich Dein Leben verändert, seitdem Du Dich selbständig gemacht hast?

Ich bin 100%ig frei, freier noch als viele andere Selbständige, die ja oft noch an Auftraggeber gebunden sind, während ich eigene Ideen umsetze. Dazu reichen mir ein Laptop mit Internet-Verbindung und ein Smartphone, schon geht’s los. Natürlich bin auch ich abhängig, von Google und Apple, aber die völlige Freiheit im täglichen Tagesablauf gehört zum Besten an der ganzen Geschichte. Montag spontan mal an die See? Geht klar!

Wie hat sich Dein Microbusiness im Laufe der Zeit weiterentwickelt?

Selbständigkeit ist nichts für schwache Nerven. Manchmal sinken die Werbepreise und damit die Einnahmen monatelang ab und man kommt ins Grübeln. Bisher ging es aber immer irgendwann wieder bergauf und mit der Hoffnung auf weitere erfolgreiche Apps denke ich schon, dass es bald klappt mit dem Q7…

Kannst Du heute von Deinem Microbusiness gut leben?

Sagen wir, ich kann davon leben.

Würdest Du Dich heute noch einmal so entscheiden – Dich selbständig zu machen?

Ohne zu zögern: Ja! Es ist das, was ich kann und machen will.

Was würdest Du anderen empfehlen, die ebenfalls ein Microbusiness aufbauen und Kleinstunternehmer werden wollen?

Bezogen auf App-Entwickler: Das kann man ja relativ risikofrei nebenbei starten und schauen, was passiert. Die Frage, Unternehmer zu werden, stellt sich ja meist erst dann, wenn es schon gut läuft. Also: ausprobieren!

Generell sollte man einfach die Leidenschaft für „seine“ Tätigkeit, was immer es auch ist, haben. Wenn man die hat, findet man auch für alles andere Lösungen.

Und eher praktische Tipps:

  1. Verlangt beim Arbeitsamt, dass sie euch die Teilnahme an einem Gründerseminar sponsern! Als Veranstalter dieser Seminare kann ich z.B. das „RTG / Bildungszentrum für Betriebswirtschaft und Steuern“ empfehlen. Eine große Hilfe!
  2. Stellt beim Arbeitsamt den Antrag auf Gründungszuschuss!
  3. Sobald eure Umsätze über die Kleinstunternehmer-Grenze steigen (siehe Kleinunternehmerregelung, Anm d. Aut.), nehmt euch einen Steuerberater oder einen Buchhalter und programmiert lieber Apps, anstatt Belege zu buchen!

Vielen Dank für das Interview, Richard!