Tim Chimoy

Die Kleinstunternehmer, die ich für meinen Blog interviewe, arbeiten ortsunabhängig und bieten ihre Leistungen/Produkte über das Internet an (hier mehr zu meinem Ziel). Ich habe festgestellt, dass es sogar eine Bezeichnung für diese Gruppe gibt – digitale Nomaden. Als ich Google die Frage „Was sind digitale Nomaden“ stellte, kam ich auf die Seite „Earthcity“ von Tim. Hier findet man eine Definition, die aus vielen Facetten besteht. Digitale Nomaden arbeiten ortsunabhängig und betreiben meist ein eigenes Microbusiness. Tim gehört seit 3 Jahren zu dieser Gruppe und hat bereits viel Erfahrung auf diesem Gebiet sammeln können. Er hat verschiedene Microbusinessmodelle rund um seine eigenen Interessen aufgebaut – ein Vorbild für alle Microbusinessheros!

Tim, was ist Dein Microbusiness? Worin genau besteht Deine Tätigkeit?

Ich habe gleich mehrere Microbusinesses, wenn du so willst.

Als Dienstleister auf www.tuscheteam.de erstelle ich technische Zeichnungen für Architekten und Ingenieure. Die Arbeiten übernehme ich teilweise selbst, oder gebe sie an virtuelle Assistenten weiter. Die Akquise läuft vollständig online. Des Weiteren betreibe ich die Seite www.123paleo.de gemeinsam mit einem Geschäftspartner. Wir bieten dort einen wöchentlichen Ernährungsplan-Service gegen eine einmalige Gebühr. Die dritte Säule meines Einkommens ist meine Tätigkeit als Reiseblogger. Neben meinem Blog www.earthcity.de baue ich zudem gerade einen weiteren Reiseblog auf, unter www.stilpacker.de. Diese drei Säulen sorgen zur Zeit alle für ungefähr das gleiche Einkommen.

Wann hast Du Dich selbständig gemacht und Dein Microbusiness gegründet?

Das war Ende 2011, nachdem ich endgültig festgestellt habe, dass das Angestellten-Dasein einfach nicht meinem Naturell entspricht. Ich zog die Reißleine, kündigte und bin direkt ins kalte Wasser gesprungen. Am Anfang musste ich ganz schön paddeln, um nicht unterzugehen. Aber das hat auch dazu beigetragen, dass ich es durchziehe. Ich habe quasi die Brücken hinter mir abgebrannt.

Wie viel Startkapital hast Du investiert?

Ich habe damals etwa 5.000 Euro investiert. Vieles davon war im Nachhinein eher sinnlos. Damals wusste ich es noch nicht besser. So habe ich z.B. 1.000 Euro für die Erstellung einer WordPress-Website bezahlt. Heute kann ich das selbst. You live and you learn. Das o.g. Investment erschien mir damals sinnvoll. War es aber nicht.

Wie man auf Deiner Seite www.earthcity.de erfährt, hast Du zu Beginn Deiner beruflichen Laufbahn einige Stationen in unterschiedlichen Unternehmen im In- und Ausland durchlaufen. Du sagst selbst, dass Du während Deiner Zeit als Angestellter sogar stolz auf Dein Firmenhandy warst. Wann und wie hast Du festgestellt, dass Statussymbole und mehr Geld nicht die Faktoren sind, welche Dich langfristig antreiben?

Der Stolz verflog nach wenigen Wochen. Die Unzufriedenheit wurde immer größer. Ich fühlte mich wie in einem goldenen Käfig. Das Geld kam rein, aber ich war eingesperrt. Hätte ich so weitergemacht, wäre ich ein sehr unglücklicher Mensch geworden. Ich wurde damals bereits immer grummeliger. Freunde wiesen mich darauf des Öfteren hin.

Was hat dazu geführt, dass Du Dich letztendlich gegen ein Festangestelltenverhältnis entschieden hast und ein Kleinstunternehmer geworden bist?

Mein Freiheitsdrang. Meine unstillbare Reiselust. Der Tod eines nahestehenden Menschen. Der Wille auf Selbstverwirklichung. Negative Erfahrungen in einem großen Unternehmen. All das kam zusammen.

Wie haben Deine Familie und Freunde Deine Entscheidung aufgenommen?

Sehr positiv und unterstützend.

Wie kamst Du auf die Idee für Dein Microbusiness?

Das hat sich alles durch meine Interessen und meine vorherige berufliche Laufbahn ergeben. Am Anfang habe ich viel falsch gemacht aber auch unendlich viel gelernt. Meine Ideen haben sich sehr gewandelt.

Wie erfahren Kunden von Dir und Deinen Leistungen?

Über Adwords Werbung und Gastartikeln auf relevanten Blogs.

Was schätzen Kunden besonders an Deinen Services?

Unkomplizierte Prozesse. Zuverlässigkeit. Preis.

Welche Erfahrungen und Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

Online-Marketing Kenntnisse, WordPress, Adwords, Verbesserung meiner Fähigkeiten auf Menschen zuzugehen, Selbstorganisation, Vernetzung mit Gleichgesinnten

Welche (Internet-)Tools findest Du bei Deiner täglichen Arbeit hilfreich?

Fastbill, Evernote, Google Docs, E-Buero, Sipgate

Sind Dir zu Beginn Deiner Selbständigkeit auch Fehler unterlaufen? Was hast Du daraus gelernt?

Viele Fehler. Jeder Fehler hat mich letztendlich etwas gelehrt und ich will sie im Nachhinein nicht missen. Ich habe zum Beispiel Geld für Dinge ausgegeben, die im Nachhinein nicht sinnvoll waren und an anderer Stelle gespart. So habe ich Business Karten drucken lassen, bevor ich überhaupt einen Kunden hatte.

Wie hat sich Dein Microbusiness im Laufe der Zeit weiterentwickelt?

Es ist professioneller geworden. Ich bin zudem selbst mutiger geworden.

Du hast ein Buch mit dem Titel „Handbuch für ortsunabhängiges Arbeiten“ geschrieben, welches dem Leser konkrete Tipps zum Thema „ortsunabhängiges Online-Business“ bietet. Wie wird sich dieses Konzept, Deiner Meinung nach, in Zukunft entwickeln?

Die Zahl der Menschen, die selbstständig ein Microbusiness betreiben, wächst. Viele dieser Menschen werden auch die Möglichkeiten erkennen, von überall arbeiten zu können, und diese auch ausnutzen. Die Bewegung der ortsunabhängigen Webworker und digitalen Nomaden wächst und wächst.

Kannst Du von Deinem Microbusiness leben?

Ja.

Würdest Du Dich heute noch einmal so entscheiden – Dich selbständig zu machen?

Definitiv. Immer wieder.

Was würdest Du anderen empfehlen, die ebenfalls ein Microbusiness aufbauen und Kleinstunternehmer werden wollen?

Fangt an. Lernen werdet ihr auf dem Weg, auch durch die Fehler, die ihr begeht. Nicht die Idee ist entscheidend, sondern die Umsetzung.

Herzlichen Dank, Tim!