Doris Hinsberger

Als ich auf Amazon das Stichwort „Kleinstgründung“ eingab, stieß ich auf Doris Buch „So gründen Sie ein Schreibbüro – Zur Kleinstgründung im Home-Office“. Dieses Buch weckte sofort mein Interesse, da es ein weiteres mögliches Model für ein internetbasiertes Microbusiness beschreibt. Doris hat diesen Ratgeber bereits 2008 geschrieben. Sie verfügt über jahrelange Erfahrung als selbständige Expertin für Transkription von Interviews, Explorationen, Gutachten etc. Inzwischen hat sie neben dem oben genannten Buch drei eBooks verfasst. Doris erfüllt mit ihrer Geschäftstätigkeit alle Kriterien der Microbusinessherodefinition – sie bietet ihren Know-How über das Internet an und erledigt ihre Aufträge online. Mir war sofort bewusst – aus ihren Erfahrungen können wir viel lernen. Daher freue ich mich sehr, dass sie meine Fragen beantwortet hat.

Doris, was ist Dein Microbusiness? Worin genau besteht Deine Tätigkeit?

Ich betreibe ein Schreibbüro mit der Spezialisierung auf die Transkription von Interviews und anderen Audiodateien.

Außerdem habe ich ein Buch und drei eBooks veröffentlicht. Die Einnahmen als Autorin sind aber noch recht niedrig. Vor kurzem habe ich ein weiteres Buch angefangen, bei dem ich davon ausgehe, dass es sich ganz gut verkaufen wird. Das Thema möchte ich aber noch nicht verraten, damit mir niemand die Idee „klaut“. Hoffentlich habe ich es bis zum Herbst fertig und dann schauen wir mal, ob das auch wirklich der Fall sein wird.

Wann hast Du Dich selbständig gemacht und Dein Microbusiness gegründet?

Das liegt bei mir nun schon etliche Jahre zurück, im Herbst 2005. Ich gründete damals aus der Arbeitslosigkeit heraus im Haupterwerb.

Wie viel Startkapital hast Du investiert?

Startkapital in dem Sinne habe ich keins investiert. Meinen Computer und Drucker hatte ich und viel mehr habe ich nicht gebraucht. Allerdings erhielt ich eine finanzielle Förderung durch die Arbeitsagentur (damals noch Arbeitsamt). Manche werden sich noch an den Begriff „Ich-AG“ erinnern. „Existenzgründungszuschuss“ war die korrekte Bezeichnung und diesen erhielt ich.

Was hat dazu geführt, dass Du Dich gegen ein Festangestelltenverhältnis entschieden hast und eine Kleinstunternehmerin geworden bist?

Nun ja, ich habe mich nicht wirklich gegen eine feste Anstellung entschieden, sondern die potenziellen Arbeitgeber haben sich gegen mich entschieden, so dass die Selbstständigkeit für mich eine Alternative zur Arbeitslosigkeit darstellte.

Wie kamst Du auf die Idee für Dein Microbusiness?

Vorher hatte ich für kurze Zeit parallel zu einem befristeten Teilzeitjob für ein Institut in Bremen Interviews auf Minijob-Basis transkribiert und hatte den Eindruck, dass es hierfür einen Markt geben könnte. Das hat sich nach der Gründung auch bewahrheitet und zwar in einem viel höheren Maße als ich vorher annahm. Als ich gründete, war mir noch gar nicht so klar, wie wunderbar ich bundes- und sogar weltweit arbeiten kann. Heutzutage benutzt ja kaum mehr jemand Kassetten für seine Aufzeichnungen, sondern man erhält die digitalen Audiodateien, die man genauso gut über das Internet übermitteln kann wie nachher die Arbeitsergebnisse.

Ist der Wettbewerb auf dem Gebiet von Schreibservices groß und wie schafft man es sich, insbesondere gegenüber der Konkurrenz aus dem Ausland, hervorzuheben?

Als ich 2005 anfing, war der Konkurrenzdruck noch deutlich geringer. Insbesondere bei meiner Spezialisierung, der Transkription von Audiodateien, gibt es mittlerweile wirklich sehr viele „Billig-Anbieterinnen“, was sich insbesondere seit Anfang dieses Jahres deutlich auf meine Auftragslage auswirkt. Dies versuche ich durch andere Schwerpunktsetzungen und den Versuch höhere Einnahmen in anderen Bereichen (eBooks, Bücher etc.) zu erzielen, aufzufangen.

Was schätzen Kunden besonders an Dir und Deinen Leistungen?

Hohe Qualität, absolute Zuverlässigkeit, komplikationslose Abwicklung der Aufträge, freundliche Kommunikation.

Welche Erfahrungen und Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

Als Schreibdienstleisterin ist es natürlich unabdingbar, dass man schnell und fehlerfrei tippt. Außerdem ist es eine Fleißarbeit und man braucht ein hohes Maß an Selbstdisziplin.

Eine wesentliche Voraussetzung für eine Existenzgründung, egal in welchem Bereich, ist natürlich die Bereitschaft Neues zu lernen und die Fähigkeit und der Wille, Verantwortung für sich und seine Arbeit zu übernehmen.

Man muss tagtäglich Entscheidungen treffen, auch wenn es sich oft nur um „kleine“ Entscheidungen handelt, so darf man hier nicht zu zögerlich oder zweiflerisch veranlagt sein.

Welche (Internet-)Tools findest Du bei Deiner täglichen Arbeit hilfreich?

Xing war mir schon sehr nützlich, da bin ich auch immer noch als Premium-Mitglied angemeldet. Darüber erhielt ich schon einige Aufträge, aber vor allen Dingen, was noch wichtiger war, auch Kooperationspartnerinnen. Bei anderen Social-Media-Plattformen bin ich zwar angemeldet, nutze sie aber nicht wirklich.

Hilfreich sind natürlich sämtliche Server für die Übermittlung von Audiodateien (Mydrive, Dropbox etc.)

Hm, es gibt so vieles, was man tagtäglich nutzt, aber das ist schon so selbstverständlich, dass man da gar nicht mehr so drüber nachdenkt. Natürlich habe ich meine Transkriptionssoftware, meine Konvertierungsprogramme, mein FTP-Programm und vieles mehr.

Sind Dir zu Beginn Deiner Selbständigkeit auch Fehler unterlaufen? Was hast Du daraus gelernt?

Klar, Fehler sind mir nicht nur zu Beginn unterlaufen, sondern auch heute noch. Wobei es ja auch oft so ist, dass vermeintliche Fehler hinterher gute Folgen haben können und andere Sachen, von denen man dachte, die wären besonders klug gewesen, hinterher negative Auswirkungen haben. Das ist also nicht so leicht zu beantworten.

Wie hat sich Dein Leben verändert, seitdem Du Dich selbständig gemacht hast?

Mein Leben ist einerseits viel anstrengender und stressiger geworden, weil ich natürlich immer viel mehr Termindruck habe und es bei der Arbeit im Home-Office nicht so einfach ist, sich abzugrenzen und abzuschalten.

Andererseits ist mein Leben viel selbstbestimmter und bequemer geworden. Niemand kann mir reinreden und so etwas wie Arbeitswege, Vorgaben von Chefs und Stress mit Kollegen gibt es nicht mehr.

Wie hat sich Dein Microbusiness im Laufe der Zeit weiterentwickelt?

Als die Aufträge mehr wurden, lernte ich auch mit Kooperationspartnerinnen umzugehen. Allerdings war es wirklich schwierig, welche zu finden, bei denen die Qualität gut genug war und die Termine eingehalten wurden.

Ab dem Zeitpunkt als ich umsatzsteuerpflichtig wurde, musste ich dann auch eine Steuerberaterin einschalten, weil das dann doch komplexer wurde, da ich eben auch Einnahmen aus anderen Ländern habe.

In beiden Bereichen merkte ich, dass es mir sehr schwer fällt, Dinge abzugeben. Das musste ich wirklich lernen und das könnte noch besser werden.

Du hast bereits ein Buch und drei eBooks zu Themen wie „Existenzgründung“ und „Kleinstgründung im Home Office“ geschrieben. Woher kam die Inspiration für Dein neu erschienenes eBook „Als virtueller Assistent/virtuelle Assistentin von zu Hause oder unterwegs Geld verdienen“ ?

Schon vor einigen Jahren hatte ich das Buch „Die 4-Stunden-Woche- Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben“ von Timothy Ferriss gelesen. Er schildert darin unter anderem, wie man Arbeit an virtuelle Assistentinnen auslagern kann, die dann die unterschiedlichsten Aufgaben übernehmen.

In vielen Regionen hat man schlechte Chancen einen Job zu finden. Nicht allen Leuten ist bewusst, dass das World Wide Web es ermöglicht, viele Tätigkeiten ortsunabhängig zu erledigen. In dem eBook schildere ich, wie man mit virtuellen Jobs Geld verdienen kann, und zwar von zuhause oder anderswo. Es gibt mittlerweile auch etliche digitale Nomaden, die mithilfe des Internets von unterwegs Einnahmen erzielen.

Kannst Du von Deinem Microbusiness leben?

Die letzten Jahre habe ich davon gelebt, aber da seit Anfang dieses Jahres die Transkriptionsaufträge weniger geworden sind, setze ich meine Schwerpunkte neu und versuche auch meine Buch- und eBook-Verkäufe anzukurbeln.

Würdest Du Dich heute noch einmal so entscheiden – Dich selbständig zu machen?

Selbstständig würde ich mich bestimmt wieder machen, allerdings nicht in einer derart prekären finanziellen Situation hauptberuflich, sondern erst mal im Nebenerwerb. Außerdem würde ich mir in Ruhe überlegen, was mir wirklich Freude macht bzw. womit man so richtig viel Geld verdienen kann. Schreibarbeiten gehören nämlich nicht unbedingt zu den am besten bezahlten Tätigkeiten und es ist gewiss kein leicht verdientes Geld. Jeder der das tagtäglich acht Stunden oder mehr macht, wird das bestätigen können.

Was würdest Du anderen empfehlen, die ebenfalls ein Microbusiness aufbauen und Kleinstunternehmer werden wollen?

Wie ich eben schon meinte, halte ich es für sinnvoll erst mal im Nebenerwerb zu starten. Auch bei der Wahl der Geschäftsidee sollte man sich genügend Zeit lassen.

Auf jeden Fall ist es gut, wenn man sich auch „passive“ Einnahmequellen erschließt (eBooks, Bücher, Software, Patente, Partnerprogramme etc.), damit Geld auf dem Konto eingeht, wenn man mal krank ist, Urlaub macht etc.

Absolut wichtig finde ich, dass man sich genug Auszeiten gönnt. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance halte ich für sehr bedeutsam. Gerade bei Solopreneuren, die so gut wie alles selbst machen, besteht die Gefahr, dass man viel zu viel arbeitet und Raubbau an sich betreibt.

Unbedingt anfangen, sobald man die „Hürde“ der Existenzgründung einmal genommen hat und weiß, wie Selbstständigkeit funktioniert, tun sich oft ganz neue Wege auf, an die man vorher im Traum nicht dachte. Sogar wenn die erste Idee sich nicht als tragfähig erweisen sollte oder man merkt, dass es einem keine Freude macht, so hat man doch die Grundlagen gelegt, um andere Geschäftsfelder auszuprobieren.

Herzlichen Dank Doris!