Bali Gili T Lombok 2013 0428Felicia Hargarten
  • Microbusiness: www.feliciahargarten.com und www.travelicia.de
  • Leistungen: Social Media Marketing, Blogger Relations, Reisebloggerin, Erstellung WordPress Websites
  • Startkapital: weniger als 1.000 €
  • Gründungsjahr: 2012

Wenn Leute gefragt werden, was sie tun würden, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielten, so antworten viele – reisen! In-ferne-Länder-Reisen gehört zu den begehrtesten Freizeitbeschäftigungen vieler Menschen und ist ein Symbol für die grenzenlose Freiheit, die man unterwegs verspürt. Egal, ob Strandurlaub, Bergbesteigung oder Sprachreise – jede Art des Verreisens eröffnet uns eine neue Perspektive. Wir fühlen uns frei und ungezwungen, alles scheint möglich. Und dennoch finden wir uns damit ab, dass diese Art des Zeitvertreibs nur dann möglich ist, wenn wir gerade nicht arbeiten. Somit schließen sich die Vorstellungen von Reisen und Arbeit für gewöhnlich gegenseitig aus.

Auch Felicia musste früher für längere Reisen ihren Job kündigen. Nach mehreren Auslandsaufenthalten (bislang in 36 Ländern!) hat sie jedoch 2012 beschlossen, beides langfristig zu verbinden, sodass sie nun eine reisende Entrepreneurin ist. Als selbständige Social Media Expertin berät sie ihre Kunden online – und zwar von überall auf der Welt. Sie hat es geschafft, ihren Traum vom Reisen mit ihrem Traum von einem selbstbestimmten Job zu vereinen, und gehört wie Tim zu den Digitalen Nomaden. Für Dich habe ich Feli zu den Details ihres Microbusinesses befragt:

Feli, was ist Dein Microbusiness? Worin genau besteht Deine Tätigkeit?

Ich bin Freelancerin und Online Unternehmerin.

Den besten Überblick bekommst Du auf meiner persönlichen Webseite
www.feliciahargarten.de

Du bist ein leidenschaftlicher Globetrotter und oft auf Reisen. In welchem Land hast Du Dein Microbusiness gegründet und welche Rechtsform hat Dein Unternehmen?

Ich habe mein Gewerbe als Einzelunternehmerin in Deutschland angemeldet.

Überlässt Du die steuerrechtlichen Angelegenheiten Deines
Microbusinesses einem Steuerberater oder erledigst Du den kaufmännischen Teil weitestgehend selbst? Würdest Du die Betreuung durch ein Steuerbüro/einen Steuerberater für Microbusinesses empfehlen?

Ja, ich habe einen Steuerberater und würde jedem, der ein Microbusiness
startet, auch einen empfehlen.

Steuern sind einfach ein Thema für sich. Das kostet zu viel Zeit sich damit
zu beschäftigen. Wenn einem Know How fehlt, kann man auch viel übersehen
oder verkehrt machen.

Wie hast Du einen Steuerberater gefunden, der mit den Spezifika des Online-Businesses vertraut ist?

Mein Steuerberater ist nicht auf Online-Business spezialisiert. Er ist eher
traditionell unterwegs. Mittlerweile ist er aber gut per E-Mail oder sogar
Skype erreichbar.

Wie ist die Idee für Dein Microbusiness entstanden?

Angefangen hat alles mit einem Buch, das ich gelesen habe. Meine erste
Idee war ein E-Book Buch zum Thema Backpacking zu veröffentlichen und es
über eine Plattform zu verkaufen. Daraus ist dann mein Backpacking &
Adventure Travel Blog Travelicia (www.travelicia.de) entstanden, der vorher
nur ein privater Reiseblog war. Daraus wiederum haben sich andere
Einnahmequellen über den Blog ergeben. Darüber hinaus haben mein Freund und ich viele Jahre in Online Unternehmen gearbeitet. Wir haben uns also einfach die Frage gestellt: Welches Know-How haben wir und was können wir Unternehmen als Freelancer anbieten? Wie kommen wir an Kunden? Wie können wir das Business ortsunabhängig gestalten?

Ist der Wettbewerb auf Deinem Gebiet groß und wie schafft man es sich gegenüber der Konkurrenz hervorzuheben?

Im Bereich Backpacking gibt es einige Blogs. Es ist aber eher so, dass wir
zusammen arbeiten oder auch die Produkte der anderen als Affiliate bewerben
– eine WIN-WIN Situation. In Deutschland ist die Zusammenarbeit innerhalb
der Szene oft eher noch unüblich im Gegensatz zu den USA.

Im Bereich Online Marketing punkten wir einfach durch gute Leistung und
durch unser gesammeltes Know-How aus der Zeit, in der wir in Unternehmen
gearbeitet haben. Viel geht auch über Connections und Empfehlungen.

Was hat dazu geführt, dass Du Dich gegen ein Festangestelltenverhältnis entschieden hast und eine Kleinstunternehmerin geworden bist?

Mein Ziel war mehr Selbstbestimmheit und Freiheit als man sie im 9-5 Job
hat. Ich wollte einfach mehr von dem tun, was ich leidenschaftlich gerne
mache. Dazu gehört zum Beispiel reisen.

Mit einer Unternehmensgründung sind oft viele Ängste verbunden. Zum Beispiel ist die Angst vor dem Scheitern und vor finanziellen Schwierigkeiten einer der Hauptgründe, warum wir in Deutschland eher gründugsscheu sind. Wie hast Du diese Barrieren in der Gründungsphase überwunden und welche Strategien hast Du entwickelt, um mit solchen Ängsten umzugehen?

Ich habe einiges an Geld vorher angespart und mir das Worst-Case-Szenario
und Plan B,C,D aufgeschrieben. Was ist wirklich das schlimmste was
passieren kann und was würde ich dann machen? Darüber hinaus habe ich mich
zum Minimalisten runter gesized, so dass ich viel weniger Geld brauche als
vorher. Das hat mir Sicherheit gegeben. Außerdem habe ich mich mit Menschen
connected, die das gleiche Ziel erreichen wollten oder schon erreicht
hatten. Sich mit Gleichgesinnten auszutauschen ist super wichtig.

An die typischen Existenzängste eines Selbständigen gewöhnt man sich auch
mit der Zeit. Sie sind normal. Was auch hilft ist Reisen. Im Ausland ist
man viel mutiger. Weit weg von den Sicherheitsdenkern und Bedenkenträgern.
Man sollte sich mit Menschen umgeben, die einen motivieren und an einen
Glauben.

Welche Erfahrungen und Fähigkeiten sind für den Aufbau eines Microbusiess besonders hilfreich?

Fokussiere Dich auf Deine Stärken. Klar kannst Du Dich sicher in alles
einarbeiten, aber es raubt zu viel Zeit. Suche Dir lieber einen
Businesspartner, der die fehlenden Kenntnisse hat oder source Aufgaben an
einen Spezialisten aus. Versuche mit Dingen Geld zu verdienen, die Deine
Leidenschaft sind.

Höre nie auf zu lernen und Dich selbst zu hinterfragen.

Tausche Dich so viel wie möglich mit anderen aus.

Hab nicht zu viel Angst vor organisatorischen Sachen wie Versicherung,
Gewerbeanmeldung etc. Geh es einfach ganz langsam step by step an.

Investiere nicht zu viel Geld, bevor Du Deine Geschäftsidee nicht getestet
und z.B. den ersten Sale gemacht hast. Visitenkarten kannst Du Dir danach
immer noch drucken. Wenn etwas nicht funktioniert, häng nicht dran, sondern
probiere etwas Neues.

Sei nicht zu perfektionistisch, sonst geht Dein Blog / Website / Angebot nie
live. Arbeite am lebenden Projekt weiter. Gestehe Dir auch ein, wenn Du mal
nicht produktiv bist und arbeite dann nicht zwanghaft weiter. Es geht
nicht darum möglichst viele Stunden zu arbeiten, sondern in den Stunden in
denen Du arbeitest wirklich produktiv zu sein.

Welche (Internet-)Tools findest Du bei Deiner täglichen Arbeit
hilfreich?

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Fastbill
  • Dropscan
  • WordPress
  • PamFax
  • Google Drive
  • Scrivener
  • Canva
  • Mailchimp
  • Google Analytics
  • Self Control
  • usw….

Sind Dir zu Beginn Deiner Selbständigkeit auch Fehler unterlaufen?
Welche waren das und was hast Du daraus gelernt?

Ja, am Anfang war ich zu perfektionistisch. Außerdem ist mir klar geworden,
dass man bei einem Angebot besser in die Nische als auf die breite Masse
geht. Löse ein Problem mit Deinem Business und befrage Deine Zielgruppe
vorher idealerweise.

Wie hat sich Dein Leben verändert, seitdem Du Dich selbständig gemacht hast?

Sehr zum positiven. Ich finde es wahnsinnig vielseitig. Es ist inspirierend
und man entwickelt sich persönlich sehr weiter. Ich habe extrem viele neue
nette Menschen kennen gelernt und habe die Möglichkeit mehr von der Welt zu
sehen als vorher. Es kommen immer wieder neue Anfragen und Möglichkeiten
und das macht sehr viel Spaß. Ich habe absolut das Gefühl das richtige zu
tun!

Mexiko_Isla_Mujeres_Unterwassermuseum Apo Island_Philippinen

Neben Deiner Tätigkeit als Online-PR & Social Media Expertin arbeitest Du an verschiedenen anderen Projekten (z.B. DNX, Wundersite etc. ). Wie teilst Du Deine Zeitressourcen ein? Hast Du ein persönliches Zeitmanagement-System?

Nein, habe ich nicht. Organisatorisch bin ich sehr stark und habe keine
Probleme mehrere Sachen nebeneinander zu managen. Eine Prio Liste habe ich
natürlich schon.

Haben sich Deine Erwartungen bezüglich der Einnahmen aus Deinem Microbusiness erfüllt?

Auf jeden Fall. Mein Ziel war zunächst einfach nur selbständig „über die
Runden“ zu kommen. Danach habe ich mir dann neue, konkretere Ziele gesetzt.

Würdest Du Dich heute noch einmal so entscheiden – Dich selbständig zu machen?

Ja, auf jeden Fall.

Was würdest Du anderen empfehlen, die ebenfalls ein Microbusiness
aufbauen und Kleinstunternehmer werden wollen?

Finde heraus, ob der Lebensstil tatsächlich etwas für Dich ist. Lese so viel
wie möglich darüber, Besuche Kurse und Events und connecte Dich unbedingt
mit anderen. Versuche herauszufinden was Du gut kannst, gerne tust und
wofür andere Geld bezahlen würden.

Sei Dir darüber im Klaren, dass es ein langer Weg ist und nicht von heute
auf morgen geht. Das Microbusiness braucht seine Zeit. Aber: Fang heute mit
den ersten Steps an. Go for it!

 

Herzlichen Dank, Feli!

Hast Du noch Fragen an Feli? Dann her damit.