microbusiness hero

Lerne aus den Erfahrungen erfolgreicher Microbusiness-Entrepreneure

Interview #7 Expertin für Lerncoaching und Potentialentfaltung

58baxKerstin Eisbrenner
  • Microbusiness: www.lerncoaching-frankfurt.de
  • Leistungen: Lerncoaching, Coaching Gesprächsführung, Potentialentfaltung
  • Startkapital: ca. 8.500 €
  • Gründungsjahr: 2012

Prüfungsangst – wer kennt das nicht? Das Herz schlägt schneller, die Gedanken an den Lernstoff überschlagen sich, die Hände werden feucht und der Mund wird trocken. Noch schlimmer ist es, wenn in Prüfungssituationen ein Black Out einsetzt- völlige Unbeholfenheit und Hilflosigkeit das Gelernte wieder zu geben. Als wären die Verbindungen zwischen den Synapsen in unserem Gehirn gekappt worden, ohne Aussicht auf Besserung. Eine verzwickte und unangenehme Situation, die so viel Angst erzeugt, dass auch zukünftige Prüfungen trotz guter Vorbereitung als bedrohlich empfunden werden. Gut, dass es Kerstin gibt, die für solche Fälle die passende Lösung parat hat.

Wenn Kerstin über ihre Tätigkeit als Lerncoach spricht oder auf ihrer Internetseite www.lerncoaching-frankfurt.de darüber schreibt, kann man ihre Begeisterung für dieses Thema in jedem Wort, in jeder Zeile spüren. Sie hat eindeutig ihre Berufung gefunden – Menschen helfen, effektiver zu lernen und ihr Potential als Schüler, Studenten, aber auch als Mitarbeiter und Führungskräfte zu entfalten. Lebenslanges Lernen ist in der heutigen Zeit nicht mehr nur ein Modewort, sondern ein Muss. Kerstin zeigt, wie man den Lernstress in Lernspaß umwandelt und Schlüsselmomente statt Angstzustände erlebt. Eine inspirierende Tätigkeit und ein sehr faszinierendes Microbusiness Hero Konzept.

Kerstin, was ist Dein Microbusiness? Worin genau besteht Deine Tätigkeit?

Ich bin Coach und Trainerin. In erster Linie und das ist mein Alleinstellungsmerkmal, bin ich Lerncoach. Ich zeige Menschen, wie man in kurzer Zeit mit Spaß, effektiv und nachhaltig lernt und Prüfungsängste ablegt.

Außerdem gebe ich Trainings im Bereich, wie anderer Unterricht gelingt, zur Gesprächsführung, zur Potentialentfaltung und GoldAct Leadership- und Teamtrainings nach dem Wertebelebungsansatz von Silvia Schlager.

Als ich mich auf den Markt gestellt habe, ist einfach schnell deutlich geworden, dass es andere Menschen mit Ideen gibt, die meine Sachen gut ergänzen und für die arbeite ich jetzt auch als Trainerin (ROCK YOUR LIFE! Akademie und eutonia).

Wann hast Du Dich selbständig gemacht und Dein Microbusiness gegründet?

Mit der Homepage bin ich Ende 2012 online gegangen und hatte dann auch im November die ersten Aufträge.

Wie viel Startkapital hast Du investiert?

Das kommt darauf an, was man einrechnet. Nur für das Business etwa 4.000 €, aber da ich noch eine Coachingausbildung gemacht habe, die auch 4.500 € gekostet hat, um als Coach arbeiten zu können (in Deutschland braucht man immer Zertifikate, die anderen zeigen, dass man etwas kann), könnte man auch 8.500 € sagen.

Ich hätte auch mit 300 € Investment starten können, habe mich aber bewusst dafür entschieden, das Logo/ die Homepage/ die Visitenkarten hochwertig gestalten zu lassen – weil ich es einfach nicht kann und es ansonsten immer selbst gebastelt aussieht. Und ich muss sagen, dass die Homepage auch deswegen ein gutes Akquiseinstrument ist – von anderen höre ich oft, dass über ihre HP gar keine Aufträge kommen. Meine Visitenkarten sind teuerer als andere – dafür werden sie sehr viel weniger weggeschmissen. Das war aber eine bewusste Entscheidung von mir.

Wie ist die Idee für Dein Microbusiness entstanden?

Ich habe als Lehrerin gearbeitet und mir ist aufgefallen, dass es viele sehr gute Schüler gab, die in Klassenarbeiten völlig versagt haben. Auf meine Rückfragen, wie das denn möglich sein kann, kam dann immer „Prüfungsangst“ als Antwort. Da ich diese Schüler nicht zur Therapie schicken konnte (völlig überdimensioniert), selbst aber auch keine Zeit hatte, ihnen zu helfen habe ich nach Möglichkeiten gesucht und keine gefunden. Also habe ich beschlossen die Lücke selbst zu füllen. Ich habe die Coachingausbildung gemacht und alles, was ich über das Lernen weiß mit den Techniken kombiniert, die helfen, Blockaden zu lösen. Daraus entstand dann das Lerncoaching. Da ich nicht mehr so viel in der Schule arbeiten konnte, mir die Tätigkeit aber Spaß macht, habe ich jetzt auch Trainings mit ins Angebot genommen, was noch viel besser ist, weil ich jetzt mit Spaß Wissen weiter gebe und keine Noten geben oder Klausuren darüber korrigieren muss. Außerdem ergänzen die Gebiete Potentialentfaltung und Wertebelebung das, was ich mache: ich gebe den Menschen einen Schlüssel in die Hand, um ihre verschlossenen Türen zu öffenen. Deswegen auch Schlüsselmomente. Wenn jemand, der immer Angst vor Prüfungen hatte, diese endlich mit Freude ablegen kann, wird er erfolgreicher sein – und dann ist auch mehr möglich. Wer weiß, wer er ist, was die eigenen Stärken und Werte sind, die in einem stecken, hat den gleichen Effekt.

Hast Du einen Businessplan geschrieben und wie bist Du dabei vorgegangen?

Ja, ich habe ein Businessplan Seminar an der IHK gemacht, da ich nicht Wirtschaft studiert habe und dachte, das wäre sinnvoll. Die zwei Tage haben sich super gelohnt, ich hatte tolle Trainer und am Ende die Bestätigung, dass ich erfolgreich werden könnte – und dass Wirtschaft auch nur angewandter gesunder Menschenverstand ist und ich auch viel Ahnung hatte, ohne dass ich es studiert habe.

Warst Du vor Deiner Selbständigkeit festangestellt? Was hat dazu geführt, dass Du Dich letztendlich gegen ein Festangestelltenverhältnis entschieden hast und eine Kleinstunternehmerin geworden bist?

Ja, ich war festangestellt und ich glaube das war für die Zeit nach dem Studium genau richtig und auch, um mir erst mal noch viel Wissen anzueignen, das ich jetzt zur Verfügung habe. Letztendlich bin ich aber einfach keine Angestellten -Persönlichkeit, ich habe meinen eigenen Kopf, bin innovativ und rege mich schnell auf, wenn Dinge nicht so laufen wie ich das möchte – vom Ergebnis her oder in der Geschwindigkeit. Da ich aber auch der Meinung bin, dass man dann beweisen muss, dass man es besser machen würde, habe ich mich selbstständig gemacht. Wenn jetzt etwas im Ergebnis nicht so ist, wie ich es mir vorgestellt habe, dann bin nur ich dafür verantwortlich. Ich genieße es, dass die Dinge in dem Tempo laufen, wie ich mir das vorstelle.

Wie hast Du Dir die betriebswirtschaftlichen Grundlagen zur Gründung Deines Microbusinesses angeeignet? Hast Du Seminare, Beratungsangebote etc. in Anspruch genommen?

Ich habe nur das Businessplan Seminar gemacht. Wenn ich Fragen habe, wende ich mich an Freunde und Verwandte, die in dem Bereich arbeiten (Steuer, Wirtschaft, Personalverwaltung…)

Überlässt Du die steuerrechtlichen Angelegenheiten Deines Microbusinesses einem Steuerberater oder erledigst Du den kaufmännischen Teil weitestgehend selbst? Würdest Du die Betreuung durch ein Steuerbüro/einen Steuerberater für Microbusinesses empfehlen?

Bis jetzt habe ich es noch selbst gemacht. Inzwischen bin ich aber mit dem Arbeitsaufwand an einem Punkt, an dem ich es outsourcen werde, da es mich zu viel zeit kostet, in der ich mich lieber mit meinen Dingen befasse. Man muss als Unternehmerin auch loslassen können – da wo es Sinn macht. Ich bin auch viel zu teuer für diese Tätigkeiten, da ich länger brauche, als jemand der das gelernt hat und dem das auch noch Spaß macht.

Mit der Selbständigkeit sind oft viele Ängste verbunden. Zum Beispiel ist die Angst vor dem Scheitern und vor finanziellen Schwierigkeiten einer der Hauptgründe, warum wir in Deutschland eher gründungsscheu sind. Wie hast Du diese Barrieren in der Gründungsphase überwunden und welche Strategien hast Du entwickelt, um mit solchen Ängsten umzugehen?

Ich habe mich im Nebenerwerb selbstständig gemacht. Also angefangen habe ich noch während ich 100 % gearbeitet habe (Homepage erstellen lassen, Grafikdesign besprechen, an den Markt treten), dann habe ich nach 6 Monaten auf 50% reduziert. Inzwischen kann ich das, was mir an Gehalt „entgeht“ durch die Selbstständigkeit ausgleichen und jetzt werde ich den festangestellten Job komplett aufgeben. Und man muss schauen, wo man Kosten sparen kann: Kann man sich ein Büro teilen oder von daheim arbeiten? Außerdem bin ich den Wirtschaftsjunioren beigetreten, einem Verein in dem viele Selbstständige (unter 40) sind. Der Austausch mit anderen hilft mir, Situationen gut zu bewältigen und ich kann Leute fragen, die schon weiter sind mit ihrem Business. Als Selbstständige muss man sich sein eigenes Netzwerk aufbauen und auch mit Menschen sprechen, die den gleichen Mut hatten, wie man selbst. Man sollte nicht zu viel mit Menschen reden, deren oberster Antrieb im Leben die Sicherheit ist. Das hemmt nur.

Welche Erfahrungen und Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

Mein Mut, meine Begeisterung und mein Glaube an mich und meine Idee. Das hat mich zum Erfolg gebracht. Außerdem habe ich mich mit etwas selbstständig gemacht, in dem ich mich sehr gut auskenne. Ich habe immer die Augen und Ohren offen, wo ich wertvolle Ideen sammeln kann, die mir helfen können, noch besser zu werden und meinen Kunden noch mehr mitgeben zu können. Ich kann meine Erfolge feiern, ohne mich auf ihnen auszuruhen.

Wer sind Deine Kunden und was schätzen sie besonders an Deinen Services?

Schüler/ Eltern/Studenten/ Erwachsene, die neben dem Job studieren/junge Führungskräfte/ Menschen, die mehr Motivation und Erfolg haben möchten, aber auch Firmen, Schulen und eine FH.

Sie schätzen, dass ich ihre Bedürfnisse erkenne und Lösungen dafür habe. Ich bin effektiv, im Lerncoaching reichen zum Beispiel zwei Sitzungen a 90 Minuten. Hinterher sind alle motiviert, zuversichtlich und manchmal berichten mit die Eltern, dass die Situation daheim gelassener und entspannter geworden ist. Das freut mich dann für alle. Mir wird rückgemeldet, dass ich wertschätzend bin.

Welche (Internet-)Tools findest Du bei Deiner täglichen Arbeit hilfreich?

Meine Homepage und damit auch mein Blog liegen auf WordPress, damit bin ich sehr zufrieden. Meine E-Mailadresse habe ich bei domain factory, das kann ich auch nur empfehlen. Sonst verwende ich da eigentlich wenig.

Sind Dir zu Beginn Deiner Selbständigkeit auch Fehler unterlaufen? Welche waren das und was hast Du daraus gelernt?

Ich habe am Anfang einige Angebote gehabt – zum Beispiel Tagesworkshops für Lerncoaching und dass mehrere Leute kommen und sich den Preis teilen können, die nicht angenommen wurden. Ich habe festgestellt, dass die Menschen Exklusivität und einen geschützten Rahmen wollen. Also habe ich die Angebote aus dem Programm genommen. Man darf da nicht angefressen sein, dass Menschen etwas nicht wollen, das man selbst für eine gute Idee hält. Man muss dann ehrlich sein und es lassen und nicht an der Sackgasse festhalten. Jetzt habe ich andere Angebote dazu genommen, die gut laufen.

Wie hat sich Dein Leben verändert, seitdem Du Dich selbständig gemacht hast?

Ich habe mehr innere und äußere Freiheit. Zum Beispiel kann ich meinen Tag mit Sport starten, wenn ich Lust dazu habe und interessanter Weise habe ich gemerkt, dass man die Kunden anzieht, für die man passt. Ich hatte noch nie Leute, die ich unsympathisch fand. Und in der Kooperation oder als Auftraggeber suche ich mir die Menschen aus, mit denen und für die ich arbeite. Ich verbringe also mehr Zeit mit tollen Menschen als vorher. Und ich bin sehr stolz auf das, was ich leiste. Bei meinem ersten bezahlten Lerncoachingauftrag, der ganz von außen und nicht über Empfehlung kam, habe ich in meinem Zimmer getanzt. Auf die Arbeit, die ich als Angestellte gemacht habe, war ich nie so stolz.

Als Selbständige erlebst Du in Deinem Business-Alltag sicherlich viele Höhen, aber auch Tiefen. Was gehört zu den negativen Seiten Deines Microbusinesses?

Ein Tief habe ich immer dann, wenn ich Buchhaltung machen muss – deswegen gebe ich diese Tätigkeit jetzt ab. Ansonsten, wenn man vielleicht gerne mehr Aufträge hätte. Aber dann kann man ja aktiv etwas dafür tun, diese zu bekommen. Nein, eigentlich gibt es sehr viel mehr Höhen als Tiefen muss ich sagen. Für das Negative muss man Lösungen finden, wie man sie ins Positive drehen kann. Das ist ja die Freiheit, die ich als Selbstständige habe. Ich muss mit meiner Verbesserungsidee nicht warten, bis sie von xy abgesegnet wird – oder bis er sie mal versteht. Ich kann sie gleich anwenden. Das erfordert schon Disziplin. Aber wenn man die nicht hat, muss man eben überlegen, wer einen dabei unterstützen könnte, Selbstdisziplin aufzubauen. Wenn man etwas wirklich unbedingt will, kommt die eigentlich von selbst.

Haben sich Deine Erwartungen bezüglich der Einnahmen aus Deinem Microbusiness erfüllt?

Ja. Ich habe mir mit der Nebenerwerbsgründung dabei aber auch Zeit gelassen und diese Geduld hat sich ausgezahlt. In meinem Business läuft viel über Empfehlungen. Und das braucht Zeit. Inzwischen kommen 50 % der Aufträge über die Homepage und 50% über Empfehlungen und privates Netzwerk.

Würdest Du Dich heute noch einmal so entscheiden – Dich selbständig zu machen?

Ja, immer wieder.

Was würdest Du anderen empfehlen, die ebenfalls ein Microbusiness aufbauen wollen?

Tauscht euch mit anderen (möglichst auch Selbstständigen) aus, lest diesen Blog ( 😉 ) seid mutig und vertraut eurer Vision.

 

Herzlichen Dank, Kerstin!

 

Hast Du noch Fragen an Kerstin? Oder möchtest Du ein ähnliches Microbusiness aufbauen? Dann hinterlasse einen Kommentar.

 

 

1 Comment

  1. Absolut empfehlenswert. Selten habe ich einen Menschen erlebt, mit solch einem umfassenden Background, solch einer starken Umsetzungsfokussierung und praktischer Intelligenz. Es gibt Menschen die reden und es gibt jene die Tun. Sie sieht, hört und wendet sofort an und erweitert es gleich um tolle Anwendungen. Sie hat eine spannende Kombination von Wissen, Stärke und gelebter Werteorientierung, die man selten bei Menschen vorfindet. Sie kann Jugendliche (und nicht nur diese) begeistern und führen und wir alle wissen, wie schwierig das ist :-).

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