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Lerne aus den Erfahrungen erfolgreicher Microbusiness-Entrepreneure

Interview#1 Die Sprachexpertin

Zhana Borisova
  • Unternehmen: Omniage Ltd.
  • Leistungen: Sprachdienstleistungen
  • Startkapital: ca. 500 €
  • Gründungsjahr: 2004

 

 

Zhana ist einer dieser Menschen, die nicht nur Business machen, sondern Business leben. Kennengelernt habe ich sie vor gut einem halben Jahr und war sofort von ihrem Enthusiasmus inspiriert. Sie ist ein Microbusiness-Professional (wenn man das in der modernen Unternehmenssprache ausdrücken müsste) und ein Kleinstunternehmer der ersten Stunde. Ihr Unternehmen „Omniage Ltd.“ gründete sie bereits 2004 in Bulgarien. Ihre Werte wie „Freiheit für Krativität und Ausdruck“ und „Loyalität und Vertrauen schaffen“ sprechen mich direkt an und passen aus meiner Sicht perfekt zum Image eines leidenschaftlichen Microbusiness Hero. Ich wollte noch mehr über sie erfahren, daher habe ich sie Folgendes gefragt:

Was ist Dein Microbusiness? Worin genau besteht Deine Tätigkeit?

Ich biete Sprachdienstleistungen an – Übersetzung, Redigieren, Lokalisierung, beglaubigte, amtlich anerkannte Übersetzungen, Untertitelung, Dolmetschen etc.  sowie technische Services, insbesondere Lokalisierung auf einem bestimmten Übersetzungsfachgebiet, Übersetzung mittels CAT-Software und andere.

Wann hast Du Dein Microbusiness gegründet?

Ich habe 2003 mit dieser Tätigkeit angefangen. Anschließend habe ich 2004 mein Unternehmen gegründet.

Wie viel Startkapital hast Du investiert?

Am Anfang habe ich ca. 500€ (ca. 1.000 Lewa, Anm. d. Aut.) investiert, kurz nach der Gründung war jedoch mehr Kapital notwendig.

Was hat dazu geführt, dass Du eine Firma gegründet hast und somit Kleinstunternehmerin geworden bist?

Ich war und bin immer noch der festen Überzeugung, dass diese Arbeitsweise die einzige ist, an der ich Erfüllung sowie Freude finde und die es mir erlaubt, mein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Ich glaube, dass jeder seine Tätigkeit ausgehend von der eigenen Persönlichkeit und der bevorzugten Lebensweise heraus bestimmen sollte. Viel zu oft gehen Menschen genau umgekehrt vor – sie suchen sich einen Job, finden ihn  bei irgendeinem Unternehmen und müssen ihr ganzes Leben nach dieser Tätigkeit ausrichten. Außerdem wollte ich schon immer unabhängig sein, frei entscheiden können und die wirtschaftlichste Arbeitsweise für mich selbst suchen, um die Ergebnisse und die Entwicklung meiner Arbeit zu sehen. Wenn man für andere arbeitet, ist dies nicht immer gegeben.

Wie bist Du auf die Idee für dein Microbusiness gekommen?

Fremdsprachen erlernen, ihre Herkunft erkunden, deren Wechselwirkung sowie Einfluss auf die menschliche Entwicklung und Kultur – das sind Dinge, die mich schon immer beschäftigt haben. Während meines Studiums begann mein Interesse daran zu wachsen, ich suchte nach den Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen und Sprachen, zwischen Sprachgemeinschaften, nach Einstellungen, Anknüpfungspunkten zwischen der Welt der Sprachen und der Geschäftswelt, und stellte fest, dass dies ein Gebiet ist, auf dem ich sehr viel bewegen und beitragen kann; außerdem war das alles sehr spannend für mich – daher stand mein Entschluss schnell fest.

Welche Erfahrungen oder Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

An erster Stelle – Selbstvertrauen und Beharrlichkeit. An der Richtigkeit meiner Entscheidung hatte ich nicht den geringsten Zweifel. Ich glaube, dass man nicht alles persönlich nehmen sollte und stets mit der Gewissheit handeln muss, dass man für die jeweilige Situation immer die richtige Entscheidung trifft und die Dinge auf die beste Art und Weise für sich erledigt. Der Schlüsselfaktor ist aus meiner Sicht das Selbstvertrauen. Genauso wichtig sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die Bereitschaft sich zu verändern und die Fähigkeit Misserfolge ohne Angst hinzunehmen. Misserfolg klingt etwas zu bedrohlich – es geht eher um die Herausforderungen, die einem widerfahren. Davon gibt es viele, doch genau diese machen uns weiser, erfahrener und stärken unseren Kampfgeist. Wenn wir uns zu sehr auf eine Tätigkeit fokussieren, wird sie zur Routine und so verlieren wir das natürliche Bedürfnis zu suchen und uns weiterzuentwickeln, wir finden uns mit dem Status quo ab und werden angstanfälliger.

Welchen Herausforderungen standest Du zu Beginn deiner Tätigkeit gegenüber?

Für mich waren es sehr viele. Als ich angefangen habe, war ich 24 Jahre alt. Damals war es in Bulgarien schwieriger als heute die Dinge voranzutreiben. Ich war oftmals verunsichert und wusste nicht, wie ich bei kaufmännischen Fragen vorgehen soll, was es mit der Bürokratie auf sich hat, welche rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten sind und wie ich mit allem anderen umgehen muss, was mein Unternehmen betraf. Es gab nicht so viele Möglichkeiten, sich zu informieren und zu lernen, die Beamten waren sehr unhöflich und forsch. Für mich war es am Anfang eine riesige Herausforderung meine Zeit und meine Kräfte so einzuteilen, dass ich den Balanceakt zwischen Geschäftsalltag und Kunden auf der einen Seite und Geschäftsorganisation und kaufmännischer Abwicklung auf der anderen Seite meistern konnte. Die Unsicherheit, was mich am nächsten Tag erwartet, war für mich sehr herausfordernd, genauso wie die Notwendigkeit mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten und Verantwortung für andere zu übernehmen.

Welche Internet-Tools und Hilfsmittel hast Du verwendet bzw. verwendest Du noch?

Ich verwende viele Tools, vor allem für folgende Bereiche:

  • Fremdsprachen, Terminologie, Wörterbücher, Übersetzungstools
  • CAT Tools
  • Software für Inhaltsbearbeitung
  • Webbasierte Tools für Dokumentenaustausch, Fotos etc
  • Webbasierte Kommunikationstools für Konferenzen, Webinare, Seminare, Präsentation u.s.w.
  • Webbasierte Tools für Geschäftsabwicklung, Rechnungslegung, Kundenmanagement und Geschäftsprozessmanagement
  • Marketingsinstrumente
  • Soziale Netzwerke u.s.w.

Du warst 24 Jahre alt, als Du dein Unternehmen „Omniage“ gegründet hast. Wie hat sich Dein Leben seitdem verändert?

Einerseits hatte ich auf einmal mehr Verantwortung und mein Leben wurde komplizierter. Wenn es keine festgelegten Arbeitszeiten gibt und man jederzeit einen Auftrag bekommen kann, ist es nicht so einfach; das ist vor allem eine Frage der Arbeitsorganisation und des Zeitmanagements. Andererseits gab mir mein eigenes Unternehmen die Möglichkeit, das zu tun, wozu ich Lust habe – zu reisen, spontan eine Entscheidung zu treffen, wo ich leben und wo und wann ich arbeiten will. Ich weiß, dass ich mit meinem eigenen Business große Verantwortung trage und die damit verbundene Ungewissheit mich vor großen Herausforderungen stellt. Keiner kann einem einen Kundenstamm oder Einkünfte garantieren; es liegt ganz an einem selbst die eigene Zukunft zu gestalten. Ich brauchte Zeit, bei diesem Gedanken nicht in panische Angst zu verfallen, anschließend lernte ich jedoch damit zu leben und jetzt ist es genau das, was ich am meisten liebe.

Wie hat sich Dein Microbusiness im Laufe der Zeit weiterentwickelt?

Es wurde immer erfolgreicher. Es gab viele kritische und schwierige Momente, in denen einem bewusst wird, dass man ausschließlich selbst und sonst kein anderer die Entscheidungen treffen kann. Anfangs habe ich lediglich auf 1-2 Fachgebieten vom Englischen ins Bulgarische übersetzt. Nach und nach erweiterte ich die Tätigkeit meiner Firma auf fast alle Fachgebiete und auf sämtliche osteuropäischen und Balkansprachen. Ein Jahr nach der Gründung meiner Firma verzeichnete ich einen großen Erfolg, nachdem mein Unternehmen die Handelsvertretung für die weltweit weitverbreitetste CAT-Übersetzungssoftware für Bulgarien übernahm. Ich verfolgte über die Jahre alle Neuigkeiten und Softwareneuerscheinungen auf dem Gebiet der Lokalisierung, bildete mich weiter und das eröffnete mir viele Türen für die Zusammenarbeit mit spannenden und dynamischen Kunden. In 2009 wurde mein Unternehmen nach führenden internationalen Qualitätsstandards auf dem Gebiet von Übersetzungs- und Lokalisierungsleistungen zertifiziert. Wir sind nun das fünfte Jahr in Folge zertifiziert – eine große Anerkennung für uns.

Du hast dein Unternehmen 2004 in Bulgarien gegründet. Ist es heute noch ein profitables Geschäft?

Ja, mit Sicherheit. Seit 10 Jahren ist das meine Haupteinnahmequelle.

Würdest Du diesen Weg noch einmal gehen?

Auf jeden Fall – ja! Ich würde mich auch anderen Dingen widmen, aber meine jetzige Tätigkeit ist für mich auch gleichzeitig mein größter Traum.

Was würdest Du anderen empfehlen, die ebenfalls ein Microbusiness aufbauen wollen?

Wartet nicht zu lange. Es wird nie DER ideale Zeitpunkt kommen. Das wichtigste ist an das eigene Potential  zu glauben, die Entscheidung zu treffen und anzufangen hart daran zu arbeiten. Ab und zu muss man auch Kompromisse machen, aber diese sollte man als Meilensteine auf dem Weg zu einer selbstbewussteren und selbstbestimmteren persönlichen Freiheit sehen.

Vielen Dank, Zhana, für Deine Offenheit!

Hast Du noch Fragen an Zhana? Dann hinterlasse einen Kommentar oder besuche die Seite von Omniage Ltd.

 

 

2 Comments

  1. Herzliche Glückwünsche für Ihr Erfolg, Zhana!

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