Foto: Sebastian Kühn

Foto: Sebastian Kühn

Sebastian Kühn
  • Microbusiness: anfangs: Übersetzungs- und Marketingagentur; später: Affiliate-Seiten, My Wireless Life Community
  • Leistungen: Affiliates, Wireless Life-Wissensvermittlung
  • Startkapital: 1.000 Euro für die Gründung der Agentur
  • Gründungsjahr: 2013

 

Im letzten Jahr habe ich für Dich Microbiseness Heroes befragt, die Entrepreneure aus Leidenschaft sind und deren Erfahrungen zeigen, dass ein selbstbestimmtes und ortsunabhängiges Arbeiten keine Utopie, sondern ein umsetzbares Ziel ist. Dieses Jahr geht es mit den Interviews weiter! Nach einer kleinen Auszeit auf Reisen bin ich wieder dabei, für Dich Vorbilder zu suchen, die Dir den Weg in die ortsunabhängige Selbständigkeit aufzeigen. Für mein erstes Interview in diesem Jahr konnte ich Sebastian Kühn von Wireless Life gewinnen.

Vielleicht kennst Du bereits seinen Blog? Er schafft es mit seinen Artikeln immer ins Schwarze zu treffen. Sein Blog richtet sich an alle, die selbsbestimmt leben und ortsunabhängig arbeiten wollen.

Dieses Konzept betrachtet Sebastian auf Wireless Life aus einer ganzheitlichen Perspektive. Es geht um Themen wie „Steuern für digitale Nomaden und Ortsunabhängige“ und „Wohnsitz aus Deutschland abmelden“, aber auch um „Strategien aus dem Job in die Unabhängigkeit“ und „digitale Geschäftsmodelle“. Hier findet man immer hilfreiche und inspirierende Informationen zum Online Business und Leben, unabhängig davon, ob man digitaler Nomade oder Selbständiger in Deutschland ist. Auch mit seiner My Wireless Life-Community für (angehende) Blogger, Unternehmer und Webworker hat er eine Austauschmöglichkeit für alle geschaffen, die an einem ortsunabhängigen und selbstbestimmten Lifestyle interessiert sind. Sebastian ist diesen Weg selbst gegangen und berichtet auf dem Blog über seine eigenen Erfahrungen. Wie alles für ihn persönlich begann, erfährst Du in diesem Interview.

1. Sebastian, was ist Dein Microbusiness? Worin genau besteht Deine Tätigkeit?

Vor 2 Jahren habe ich aus meiner anfänglichen Tätigkeit als Freelancer ganz einfach eine Übersetzungs- und Marketingagentur gemacht, über die ich nun selbst Kundenprojekte an andere Freelancer auslagere. Mittlerweile betreibe ich jedoch keine aktive Kundenakquise mehr, sondern verdiene den Großteil meines Einkommens über ein Portfolio an Affiliate Seiten. Dabei handelt es sich um kleine Informationsportale,  auf denen ich für die Empfehlung von Produkten von Drittanbietern eine Kommission erhalte. Weiterhin betreibe ich die My Wireless Life, eine Online Community für digitale Nomaden und Alle, die ortsunabhängig arbeiten möchten.

2. Wann hast Du Dich selbständig gemacht und Dein Microbusiness gegründet?

2011 habe ich bereits neben dem Studium sporadisch als Freelancer gearbeitet. Die echte Selbständigkeit hat dann aber eher 2013 begonnen, als ich eine Limited in Hong Kong gegründet und die Agentur gestartet habe.

3. Wie viel Startkapital hast Du investiert?

Die Gründungskosten für die Limited betrugen ca. 1000 Euro. Ansonsten hatte ich ein ziemlich leeres Bankkonto.

4. Wie ist die Idee für Dein (Blog-)Microbusiness entstanden?

Das war nicht besonders kreativ. Als Freelancer habe ich selbst für andere Agenturen gearbeitet. Ich habe mir immer gedacht, dass ich das selbst kann und habe dann kurzerhand selbst eine Agentur gegründet. Anders war es dann bei meinem Blog und der Community, die aus meiner großen Leidenschaft für den ortsunabhängigen Lifestyle heraus entstanden sind.

5.  „Selbstbestimmt leben, ortsunabhängig arbeiten“ – das ist der Leitsatz Deines Blogs „Wireless Life“. Hier erfahren wir eine Menge über Themen wie „Digitale Nomaden“, „Reisen“, „Selbstbestimmung“, aber auch „Nachhaltigkeit“ und „Lebenslanges Lernen“. Erzähl uns ein bisschen mehr über die Hintergründe Deines Blogs und warum es Dir wichtig ist, über die genannten Schwerpunkte zu schreiben.

Wie für viele Menschen sind auch für mich Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung bestimmende Werte in meinem Leben. Grundlage dafür ist ein ortsunabhängiges Einkommen mit einem eigenen Business. Ich bin jetzt 32 Jahre alt und möchte mich zumindest in der nahen Zukunft nicht an einen Ort, einen Arbeitgeber oder materiellen Besitz binden. Genau über diesen Lifestyle schreibe ich auf meinem Blog und darum geht es auch in unserer Online Community auf My Wireless Life.

6.     Auf „Wireless Life“ beschreibst Du in einem Beitrag zwei Exit-Strategien, wie man den Sprung vom Angestelltenjob in die Selbständigkeit schaffen kann. Wie sah Dein persönlicher Weg in die Selbständigkeit aus?

Ich bin kein großer Fan der Aussage, dass man lediglich seiner Leidenschaft folgen muss und sich der Rest von allein ergibt. Ich denke es gehört mehr dazu. Anstatt „All in“ zu gehen, kann der Ausstieg aus dem Job geplant und schrittweise umgesetzt werden. Meinen Lebensunterhalt habe ich anfangs mit Freelancing finanziert. Nebenbei habe ich an eigenen Projekten gearbeitet, die mir dann den Sprung von der Zeit-gegen-Geld-Falle hin zu einem echten Business mit mehr oder weniger passiven Einkommen ermöglicht haben.

7.   Was hat letztendlich den Ausschlag gegeben, dass Du Dich für ein Leben als digitaler Nomade entschieden und Deinen Lebensmittelpunkt nach Shanghai verlegt hast?

Es war weniger eine bewusste Entscheidung als vielmehr der Lauf der Zeit. Gemeinsam mit meiner Freundin wollten wir ursprünglich nur für 6 Monate nach Shanghai gehen, um hier in Unternehmen unsere Masterarbeit zu schreiben. Wie das so ist mit Plänen, lief alles anders. Wir sind mittlerweile seit über 3 Jahren hier und versuchen auch noch die letzten Ecken von Asien zu entdecken.

8. Hast Du einen Businessplan für Dein Microbusiness geschrieben und wie bist Du dabei vorgegangen?

Während meiner Studienzeit hatte ich gemeinsam mit einem Freund eine großartige Geschäftsidee. Wir haben monatelang an einem Businessplan geschrieben, die Idee letztendlich aber nie in die Tat umgesetzt. Diesmal habe ich einfach losgelegt. Lediglich ein 5-seitiges Konzept musste ich für die Eröffnung meines Geschäftskontos in Hong Kong schreiben. Ich denke ein kurzes Konzept ist sinnvoll, alles andere halte ich mittlerweile für vollkommen überflüssig.

9.  Auf Deinem Blog wagst Du Dich auch an das Thema „Steuern“ heran. Für viele ist dieser Punkt ein Buch mit sieben Siegeln. Erledigst Du den kaufmännischen Teil Deines Microbusiness weitestgehend selbst oder überlässt Du die steuerrechtlichen Angelegenheiten einem Steuerberater?

Ich bin bei Weitem kein Steuerexperte, versuche aber zumindest die Buchhaltung mit Hilfe des Cloud Accounting Tools Wave selbst zu machen. Für den Jahresabschluss hole ich mir jedoch auch Hilfe von einem Steuerberater.

10. Ist Existenzangst ein Thema für Dich und wie gehst Du damit um?

Vor ca. 10 Jahren hatte ich eine gut bezahlte Festanstellung und deutlich mehr Besitz als heute. Damals hatte ich definitiv größere Existenzängste. Wohl einfach, weil ich Geld und materiellen Dingen mehr Wert zugesprochen habe. Als ich dann 2007 in Perth war und keinen Cent mehr auf dem Konto hatte, habe ich gegen freie Unterkunft im Hostel ausgeholfen, für ein Mittagessen in einem indischen Restaurant Tische gewischt und abends gekellnert. Seitdem ist mir klar, dass der Worst-Case nie so schlimm ist, wie wir uns ihn immer ausmalen. Heute bin ich deutlich risikofreudiger und weiß, dass ich aufgrund meiner erlernten Skills immer einen Weg finden werde, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

11. Welche Erfahrungen und Fähigkeiten waren für den Aufbau Deines Microbusiness besonders hilfreich?

Mein BWL-Studium hat mir sicher einige Grundlagen im Bereich Marketing und Entrepreneurship vermittelt. Gelernt habe ich aber in den letzten Jahren am meisten durch das Eigenstudium im Internet, Gespräche mit erfahrenen Unternehmern und durch den regelmäßigen Austausch in Mastermind Gruppen. Letztendlich kann ich nur lernen, wenn ich Gelesenes und Gehörtes selbst für mich ausprobiere.

12. Welche (Internet-)Tools findest Du bei Deiner täglichen Arbeit hilfreich?

Da gibt es unglaublich viele Tools. Um ein paar zu nennen: RescueTime zum Time Tracking, Todoist für To-Do-Listen, Google Docs zur Kollaboration, WordPress und Mailchimp zum Blogging, Buffer für Social Media, Ulysses zum Schreiben und Feedly zum Folgen meiner Lieblingsblogs.

13. Sind Dir zu Beginn Deiner Selbständigkeit auch Fehler unterlaufen? Welche waren das und was hast Du daraus gelernt?

Ich habe viel zu lange für andere Leute (Auftraggeber) gearbeitet, anstatt mich von Anfang an mehr auf eigene Projekte zu konzentrieren. Heute würde ich eher versuchen, meine Ausgaben für die Anfangszeit auf ein Minimum zu reduzieren, um mir dadurch möglichst viel Zeit für das Umsetzen eigener Projekte zu schaffen. Auch war es anfangs schwer, sich nicht ständig ablenken zu lassen. Der Input an Informationen ist einfach überwältigend. Besser ist es, sich auf eine Sache nach der anderen zu konzentrieren.

14. Welche Schattenseiten hat das Dasein als digitaler Nomade?

Ich würde mich nicht als typischen digitalen Nomaden bezeichnen. Ca. 70% des Jahres bin ich in Shanghai und arbeite hier im Home Office, Coworking Space oder in Cafes. Wenn ich unterwegs bin, dann versuche ich das Arbeitspensum zu beschränken, da es mir sehr schwer fällt bei ständigen Ortswechseln wirklich produktiv zu sein. Ein anderer Punkt sind viele bürokratische Fragen sowie steuerliche und rechtliche Grauzonen, mit denen man sich auseinandersetzen muss.

15. Wie hat sich Dein Microbusiness im Laufe der Zeit weiterentwickelt?

Es hat sich stark verlagert von der Auftragsarbeit hin zu meinen eigenen Projekten. Ich muss heute keine Klienten mehr akquirieren, sondern kann mir sehr viel Zeit für Dinge nehmen, die mich erfüllen.

16. Demnächst wird Dein Buch „Wireless Life Guide. Ortsunabhängig Leben & Arbeiten“ erscheinen. Für wen ist das Buch bestimmt und was kann der Leser erwarten?

Dieser Guide richtet sich an alle Menschen, die mehr Freiheiten in ihrem Leben wollen. Ganz konkret wird es darum gehen, wie eine ortsunabhängige Selbständigkeit im Internet aufgebaut wird und wie ein Leben mit möglichst wenig Ballast und Fremdbestimmung geführt werden kann. Anders als in bestehenden Büchern greift der Wireless Life Guide viele rechtliche und bürokratische Fragen auf, die es auf dem Weg zur Ortsunabhängigkeit zu beachten gilt. Das Spektrum reicht dabei von der Existenzgründung über Steuern und Buchhaltung bis hin zur Aufgabe des Wohnsitzes in Deutschland.

17. Haben sich Deine Erwartungen bezüglich der Einnahmen aus Deinem Microbusiness erfüllt?

Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mir nie konkrete finanzielle Ziele gesteckt. Ich bin heute in der Lage, mir aufgrund eines stabilen Einkommens durch Affiliate Marketing meine Zeit sehr frei einzuteilen. Das hat für mich weitaus mehr Bedeutung als meine Einnahmen ständig zu erhöhen.

18. Würdest Du Dich heute noch einmal so entscheiden – Dich selbständig zu machen? Würdest Du dabei den gleichen Weg gehen oder würdest Du etwas anders anpacken?

Auf jeden Fall. Ich führe heute ein Leben, das ich gegen nichts in der Welt eintauschen möchte. Meine Arbeit erfüllt mich zutiefst und erlaubt es mir, anderen Menschen zu helfen und mich selbst zu verwirklichen.

19. Was ist Dein Tipp für Menschen, die ebenfalls ein Microbusiness aufbauen wollen?

Lass dich nicht von dem vermeintlich großen Wort Selbständigkeit abschrecken. Jeder kann heute im digitalen Zeitalter eine Website starten, ein E-Book schreiben oder selbst designte T-Shirts verkaufen. Es gehört wirklich nicht viel dazu. Die Gewerbeanmeldung kostet ca. 30 Euro, eine Domain nicht mehr als 5 Euro im Monat und alle Anleitungen für deine erste Seite sind kostenlos im Internet verfügbar. Auch viele Komponenten wie WordPress, Shop-Software oder Newsletter-Tools sind kostenlos.

Nimm dir jeden Abend 1-2 Stunden Zeit und fange einfach damit an, einen Blog zu starten, eine Affiliate Seite aufzubauen oder deine Fähigkeiten als Freelancer zu vermarkten. Nach kurzer Zeit wirst du merken, was für dich am besten funktioniert und kannst dann voll einsteigen.

Wenn du noch nach der richtigen Motivation und etwas Inspiration suchst, dann komm doch einfach mal vorbei auf My Wireless Life. Melde dich kostenlos an und unterhalte dich mit vielen Mitgliedern, die in deiner Situation oder dir schon etwas voraus sind.

Herzlichen Dank, Sebastian!:-)

Hast Du noch mehr Fragen an Sebastian? Dann hinterlasse einen Kommentar.

Foto: Sebastian Kühn

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